Talanx nennt erstmals Kostenziele

Tochter Gerling soll in der Verwaltung kräftig sparen · Versicherungskonzern kauft in der Türkei zu

Von Herbert Fromme, Hannover Der Talanx-Konzern hat zum ersten Mal Zielvorgaben für die Kostensenkung bei seiner neu erworbenen Tochtergesellschaft Gerling-Konzern Allgemeine (GKA) mitgeteilt. Talanx-Vorstandsmitglied Christian Hinsch sagte, die Talanx-Tochter HDI arbeite in der Industrieversicherung mit einer Kostenquote von 14 Prozent der Beiträge, bei den Privatkunden mit 14,9 Prozent. Die GKA komme auf 29,4 Prozent.

Diese Quoten zeigen die Vertriebs- und Verwaltungskosten gemessen an den Beiträgen – ohne den Schadenaufwand und ohne Schadenbearbeitungskosten. „Zusammen liegen HDI und Gerling bei 25,1 Prozent“, sagte er. „Das ist reiner Wahnsinn.“ Hinsch ist Chef der HDI-Gruppe und seit heute auch der GKA.

Zwar könne man die beiden nicht genau vergleichen, weil Gerling mit einem eigenen Außendienst für Privat- und Gewerbekunden arbeite. Aber Hinsch zielt auf eine Absenkung. „In der Industrieversicherung streben wir 15 Prozent für die gesamte Gruppe an“, sagte Hinsch. Im Privat- und Gewerbegeschäft orientiere er sich an den Werten des Konkurrenten Allianz. Dieser verzeichnet zurzeit eine Kostenquote von rund 25 Prozent, mit sinkender Tendenz.

Talanx hat mit Wirkung zum 1. Mai die GKA und deren Schwestergesellschaft Gerling-Konzern Lebensversicherung übernommen. Die GKA und die HDI-Gesellschaften will Talanx 2007 fusionieren. Zu den Auswirkungen auf die Arbeitsplätze will Hinsch erst Ende Juli etwas sagen. „Wir haben erst eine Grobstruktur“, sagte er. Zurzeit seien 13 Arbeitsgruppen dabei, die Feinstruktur für die Schaden- und Unfallversicherung zu erarbeiten. Versicherungskreise gehen davon aus, dass bis zu 2000 von den heute 16 500 Arbeitsplätzen in der Gruppe auf dem Spiel stehen.

Die Auflagen der EU-Kommission für die Übernahme wird Talanx sofort erfüllen. Danach muss die Tochter HDI die Versicherung von Pharma-Haftpflichtrisiken für das Exportgeschäft einstellen. Die EU-Komission hatte – nach einer Intervention der deutschen Pharmabranche – eine marktbeherrschende Stellung des fusionierten Konzerns gesehen.

HDI sei in Gesprächen, um die so genannten Erneuerungsrechte für die Verträge in diesem Segment zu verkaufen. Dabei handelt es sich nur um Vertragsdaten, nicht aber um aktives Geschäft. Es geht um 45 Mio. Euro Prämienvolumen. Gerling hat zurzeit 50 Mio. Euro und wird dieses Volumen ausbauen – das hat die EU-Kommission nicht verboten. „Wir werden uns aber so verhalten, dass wir keinen Druck kriegen“, sagte Vorstand Rolf Aßhoff mit Blick auf die EU.

Die HDI-Gesellschaften meldeten für 2005, einschließlich der von HDI International geführten Auslandstöchter, Prämieneinnahmen von 3,8 Mrd. Euro. Das ist ein Anstieg von 11,8 Prozent. Weil die Gruppe wenig unter Großschäden litt, konnte sie das operative Ergebnis von 216 Mio. Euro auf 291 Mio. Euro steigern. Allerdings musste sie die Schwankungsrückstellungen um 157 Mio. Euro stärken, im Vorjahr waren es 84 Mio. Euro. Die Talanx-Gruppe erhielt 118 Mio. Euro als Ergebnisabführung, nach zuvor 96 Mio. Euro. Für 2006 erwartet Hinsch einen leichten Rückgang, unter anderem wegen des Preiskampfes in der Autoversicherung. Mit zwei Millionen Fahrzeugen gehört HDI zu den größten Anbietern. Die Auslandsgesellschaften trugen 1,6 Mrd. Euro zu den Prämien bei, ein Zuwachs von 44,5 Prozent. Das Unternehmen ist in Europa und Brasilien tätig. Zurzeit verhandelt Talanx über eine weitere Übernahme in der Türkei, die betreffende Gesellschaft soll rund 40 Mio. Euro Prämien aufweisen.Euro Euro

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Talanx macht Druck. Bei den Konzerntöchtern soll künftig effizienter gearbeitet und das Sparschwein gefüllt werden – Caro/Westermann; FTD-Montage

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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