Autoversicherer im Dilemma

Die Steuerpläne der Regierung treffen die Branche hart. Jetzt ist sie auf der Suche nach einer Strategie, wie sie mit den höheren Abgaben umgehen soll

Herbert Fromme D ie deutschen Autoversicherer sehen mit Sorge auf das Jahresende. Sie müssen sich in einem hart umkämpften Markt mit passenden Tarifen positionieren – und können bisher die Auswirkungen der Steuererhöhungen allenfalls abschätzen. „Wir Autoversicherer sind doppelt betroffen“, sagte Klaus Sticker, Vorstandsmitglied der Signal Iduna. Er ist Vorsitzender des Kraftfahrtfachausschusses beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Assekuranz müsse ihren Kunden die um drei Punkte von 16 Prozent auf 19 Prozent erhöhte Versicherungsteuer weitergeben. „Gleichzeitig sind wir auf der Schadenseite durch die Mehrwertsteuererhöhung betroffen.“ Jede Werkstattrechnung, jeder Neuwagen nach einem Totalschaden, jeder Rollstuhl für ein Unfallopfer werde teurer.

Wie sich die Mehrwertsteuererhöhung genau auf die Autoversicherer auswirkt, berechnet der GDV gerade. „Ergebnisse haben wir in der kommenden Woche“, sagte Sticker. Er schätzt, dass die Schadenzahlungen um zwei Prozent steigen werden, da ein Teil der Schäden – etwa für Schmerzensgeld – nicht mehrwertsteuerbelastet ist. Außerdem rechnen die Versicherer die bei ihnen selbst anfallenden Schadenbearbeitungskosten in die Schäden ein, auch hier gibt es keine Steuer.

Doch auch zwei Prozent sind eine beträchtliche Summe – bei 19 Mrd. Euro Versicherungsleistungen allein in der Autoversicherung im Jahr 2005 wären es 380 Mio. Euro.

Die zentralen Fragen für die einzelnen Unternehmen lauten: Wie sollen sie auf die Verteuerung reagieren, wie reagiert die Konkurrenz? Die Preise erhöhen und damit möglicherweise nicht mehr konkurrenzfähig sein? Oder die öffentlich geäußerte Maxime „Ertrag geht vor Wachstum“ umsetzen und die Preise anpassen, gleichgültig, was dann mit den Stückzahlen passiert?

Dabei ist die Autoversicherung, mit 22 Mrd. Euro Prämie die größte Sparte der Schaden- und Unfallversicherung, im Moment ohnehin umkämpft wie seit langem nicht. Nach einem Preiskampf, der 1996 begann, hatte die Branche seit 2002 wieder ordentlich verdient. Dazu tragen auch die seit Jahren stetig sinkenden Unfallzahlen bei.

Noch sind die Preise trotz drastischer Anpassungen nach unten auskömmlich, jeder gewonnene Vertrag bedeutet mehr Gewinn. Dafür kämpfen die Unternehmen auch mit Preisnachlässen – bis der Trend vielleicht schon 2007 kippt und Verluste eingefahren werden.

Die Allianz hatte 2004 mit einer massiven Preissenkung den Preiskampf ausgelöst. 2005 konnte sie damit den jahrelangen Rückgang der Kundenzahl stoppen – der Marktführer steigerte die Zahl der versicherten Fahrzeuge von 8,79 Millionen auf 8,89 Millionen. Schärfster Wettbewerber ist die HUK-Coburg. Seit Jahren gewinnt das Unternehmen Marktanteile – auch 2005, als die Gruppe um deutliche 1,5 Prozent auf 7,53 Millionen versicherte Fahrzeuge zulegte.

 

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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