Öffentliche forcieren Altersvorsorge

Versicherer starten ab September Vertriebsoffensive mit Sparkassen und Deka-Bank

Von Ilse Schlingensiepen, Düsseldorf Mit einer bundesweiten Vertriebsoffensive und einem einheitlichen Auftritt wollen die öffentlichen Versicherer ihren Marktanteil in der Altersvorsorge deutlich ausbauen. Schwerpunkte sind die Riester-Rente und die betriebliche Altersversorgung. „Wir nutzen das Potenzial noch nicht, das wir gemeinsam in der Altersversorgung haben“, sagte Gerhard Müller, stellvertretender Vorsitzender des Verbands öffentlicher Versicherer.

Die sonst strikt regional arbeitenden öffentlichen Versicherer gehören zur Sparkassen-Finanzgruppe. Im Gegensatz zu vielen anderen funktioniert bei ihnen die Zusammenarbeit mit den Geldinstituten gut. 75 Prozent des Neugeschäfts in der Lebensversicherung kommen über die Sparkassen-Schalter.

Bei der Riester-Rente haben die Öffentlichen einen Marktanteil im Neugeschäft von acht Prozent, er soll auf 20 Prozent steigen. In einer Vertriebsaktion von September 2006 bis April 2007 werden die Sparkassen die „Sparkassen-Prämienrente“ bundesweit einheitlich anbieten. Es gebe immer noch 34 Millionen Förderberechtigte, die noch keinen Riestervertrag besitzen, so Müller. „Zu über 50 Prozent unterhält die Sparkassen-Finanzgruppe eine Geschäftsbeziehung.“ Die öffentlichen Versicherer hatten Ende 2005 zusammen 480 000 Riester-Verträge im Bestand, bis Ende Mai 2006 kamen 54 000 hinzu.

Auch in der betrieblichen Altersversorgung (BAV) haben die Öffentlichen ehrgeizige Ziele. Sie wollen den großen Anbietern wie Allianz, Gerling und Victoria Paroli bieten. Der Marktanteil im Bestand liegt je nach Gesellschaft bei acht bis zwölf Prozent. Er soll ebenfalls auf 20 Prozent gesteigert werden.

Während die Versicherer sich bislang auf das Standardgeschäft für regional tätige kleinere und mittlere Unternehmen konzentriert hätten, werde man sich jetzt auch größeren und überregional tätigen Firmen zuwenden. Das Geschäftsfeld wird ab Anfang 2007 eine zentrale Beratungsgesellschaft übernehmen, die zu je 50 Prozent den Öffentlichen und der Deka-Bank gehört. Die Versicherer haben für dieses Geschäft einen Konsortialvertrag geschlossen. „Es ist unser Ziel, dass man uns am Markt wahrnimmt“, sagte Müller.

Die zwölf im Verband öffentlicher Versicherer organisierten Gruppen erzielten 2005 Prämieneinnahmen von 16,4 Mrd. Euro, eine Steigerung um 2,4 Prozent. „Mit einem Marktanteil von knapp elf Prozent sind wir hinter dem Marktführer Allianz weiterhin die Nummer zwei im deutschen Erstversicherungsmarkt“, sagte der Verbandsvorsitzende Heiko Winkler.

In der Autoversicherung seien die Prämieneinnahmen durch den heftigen Preiskampf um vier Prozent auf 2,3 Mrd. Euro gesunken. Nach einem positiven Verlauf auf der Schadenseite zeige sich branchenweit eine Trendwende, so Winkler. Gepaart mit den abgeschmolzenen Prämien könnte das die Versicherer wieder unter Druck bringen. „Nach meiner Prognose kommt die nächste Sanierungsrunde 2008.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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