PKV fürchtet starke Nachteile durch Reform

Krankenversicherer vermissen klare Konzepte

Von Ilse Schlingensiepen, Köln Bei den privaten Krankenversicherern (PKV) hat der Gesundheitskompromiss der großen Koalition überwiegend negative Reaktionen ausgelöst. „Das Eckpunktepapier wirft eine Reihe von ungeklärten versicherungstechnischen und rechtlichen Fragen auf“, sagte Volker Leienbach, Direktor des PKV-Verbands. Jetzt müsse die Politik erklären, wie sie sich die Umsetzung vorstelle. „Für die PKV wird das Geschäft deutlich schwerer werden“, sagte Leienbach.

Die Branche hatte vehement gegen die Bürgerversicherung, die Gesundheitsprämie und die Einbeziehung der PKV in den Gesundheitsfonds gekämpft. Sie hätten das Aus für das heutige Geschäftsmodell der PKV bedeutet. Leienbach begrüßt, dass die Vollversicherung erhalten bleibt. „Wir haben jetzt ein für die Versicherten und die Unternehmen verlässliches System“, sagte er.

Kritisiert wird von den Versicherern aber, dass Angestellten der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung durch drei Jahre lange Übergangsfrist erneut erschwert wurde. Sie lehnen auch die vorgesehene Übertragbarkeit der angesparten Alterungsrückstellungen beim Wechsel des PKV-Anbieters ab. Zumindest bei bestehenden Verträgen sei das versicherungstechnisch nicht machbar, sagte Leienbach. Die Rückstellungen seien nicht individuell kalkuliert, sondern gehörten dem Tarifkollektiv. Für eine Mitgabe müsste man sie individualisieren; die Politik äußere sich aber nicht dazu, wie das geschehen solle.

Besonders erzürnt die Branche der Plan, die Alterungsrückstellungen auch bei einem Wechsel in die GKV mitzugeben. „Das werden wir sicher rechtlich überprüfen lassen“, kündigte der Vorstandsvorsitzende des PKV-Marktführers Debeka, Uwe Laue, an. Ein solche Systemvermengung sei nicht nachzuvollziehen, sagte Leienbach: „Die künstlich individualisierte Rückstellung wird dann wieder einem Kollektiv zugeführt.“ Entweder gehöre die Alterungsrückstellung dem Individuum oder nicht.

Enttäuscht sind die Versicherer, dass sie – anders als die gesetzlichen Krankenkassen – auch künftig keine Möglichkeit haben, direkt mit Ärzten oder Kliniken zu verhandeln. „Dort, wo es Nachteile bringt, will man uns der GKV gleichsetzen, wo es Vorteile gibt, lässt man uns außen vor“, kritisierte er.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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