Singapur lockt deutsche Anleger

Stadtstaat macht mit Steuerfreiheit Bundesrepublik führende Rolle bei Schiffsfinanzierungen streitig

Von Katrin Berkenkopf, Köln Mit einer neuen Finanzplatz-Initiative will die asiatische Wirtschaftsmetropole Singapur Deutschland die Position als weltweit führender Standort für Schiffsfinanzierungen streitig machen. Die Maritime Finance Incentive des Stadtstaates lockt Reeder und Investoren mit langjähriger Steuerfreiheit. „Singapur will die Besten gewinnen, und das nicht nur mit zwei oder drei Schiffen, sondern mit mindestens einem Teil der Flotte“, sagt Tjark Woydt, Vorstand der Schiffshypothekenbank zu Lübeck (SHL) und Chef der Schiffsfinanzierung bei der SHL-Mutter Deutsche Bank.

Deutschland hat sich dank des weltweit einzigartigen Zusammenspiels von Banken und Fondshäusern sowie attraktiver Steuervorteile für Anleger eine Spitzenstellung in der Schiffsfinanzierung erobert. Die Emissionshäuser legen geschlossene Fonds auf, mit denen sich Privatanleger an Schiffen beteiligen können. Die Banken steuern ihren Teil in Form von Hypothekenfinanzierungen bei. Auf diese Weise wird inzwischen weltweit der größte Teil der Containerflotten finanziert.

Die deutschen Anleger profitieren dank der Tonnagesteuer von hohen und weitgehend steuerfreien Ausschüttungen der Schiffsfonds. Unter der Tonnagesteuer wird in vielen europäischen Ländern nur eine Minimalsteuer erhoben, die sich nach der Schiffsgröße richtet.

Steuerfreiheit gewährt jetzt auch Singapur. Außerdem können Reeder wählen, ob sie Schiffe lieber in einer Art Fonds über Privatanleger oder durch ein Börsenlisting finanzieren wollen, sagt Thomas Lister von der DVB Group Merchant Bank in Singapur, Tochter der Frankfurter DVB Bank. „Die Initiative bietet Singapur eine gute Plattform, um international konkurrenzfähig zu sein.“

Um die Abwanderung von Reedern und Schiffsfinanzierungsdeals zu verhindern, müsse Deutschland verlässliche politische und finanzielle Rahmenbedingungen bieten, fordert SHL-Vorstand Woydt. Die große Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse sich zum Fortbestand der Tonnagesteuer bekennen. „Es gibt da gewisse Unsicherheiten.“

Noch sei es zu früh, von einem Erfolg der Maritime Finance Incentive zu reden, sagt Paul Chang, Chef des Schifffahrtgeschäfts in Asien bei der HSH Nordbank. Die norddeutsche Landesbank ist weltweit die größte Schiffsbank mit Finanzierungen von rund 25 Mrd. Euro. „Das Modell in Singapur steckt noch in den Kinderschuhen“, sagt Chang. Für die Reeder wäre es leicht, eine Tochter in Singapur zu gründen und das neue Modell zu erproben, sagt dagegen Woydt. „Wer sich einmal mit dem Thema beschäftigt, entdeckt mehr als einen Vorteil.“ Auch aus logistischer Sicht könne eine Verlagerung Sinn ergeben. Viele in Deutschland finanzierte Schiffe gehören asiatischen Reedereien und fahren Europa gar nicht an. Die höchsten Zuwachsraten haben die intraasiatischen Handelsströme.

Für den 4. Dezember dieses Jahres hat die Bundesregierung zur Nationalen Maritimen Konferenz nach Hamburg eingeladen. Dann erhoffen sich die Banken ein klares Wort zum Schifffahrt-standort Deutschland.

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Noch ist die Finanzierung von Containerschiffen fest in Deutschland vertäut. Aber das kann sich ändern

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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