Swiss Re streicht 2000 Stellen

Versicherer begründet Abbau mit Überlappungen nach Übernahme von GEIS · Auch München betroffen

Von ilse schlingensiepen, köln Der weltgrößte Rückversicherer Swiss Re wird bis Ende 2007 weltweit 2000 Stellen abbauen. Dies teilte das Unternehmen gestern mit. Die Kürzungen verringern das Personal des Konzerns um 17 Prozent. Wie die einzelnen Standorte betroffen sind, will Swiss Re in vier Monaten bekannt geben.

Der Stellenabbau ist Folge der Übernahme der GE Insurance Solutions (GEIS). Swiss-Re-Chef Jacques Aigrain hatte angekündigt, dass er durch Synergieeffekte jährlich über 300 Mio. $ einsparen will. Die Akquisition hat Swiss Re zum Marktführer in der Rückversicherung gemacht.

Damit liegt der Abbau leicht über der bereits zu Jahresbeginn genannten Größenordnung. Seine Verkündung kommt zu einer Zeit, in der andere Versicherer teils kräftige Stellenstreichungen bekannt gegeben haben.

Durch die Übernahme von GEIS ist die Zahl der Beschäftigten bei Swiss Re um 2500 auf 11 500 gestiegen. Davon sind rund 900 in Deutschland beschäftigt, 400 von ihnen bei der GE Frankona. „Es ist noch zu früh um zu sagen, wie sich der Stellenabbau auf den Standort München auswirken wird“, so ein Swiss-Re-Sprecher.

Ebenfalls vom Umbau betroffen sind Zürich und London sowie in den USA Kansas City und Armonk. Wie sich das Zusammengehen mit GEIS auf die künftige Strategie in den einzelnen Geschäftsfeldern auswirkt, stehe noch nicht fest, so der Sprecher. Er verwies auf die Pressekonferenz der Gruppe beim Branchentreffen der Rückversicherer im September in Monte Carlo. „Dann werden wir unsere neue Geschäftsausrichtung vorstellen.“

250 der 2000 Stellen sind nach Angaben der Swiss Re bereits im Management abgebaut worden. Die Gruppe setze vor allem auf Fluktuation und interne Stellenumbesetzungen, sagte der Sprecher. Zurzeit habe der Konzern weltweit eine Fluktuationsrate von knapp zehn Prozent. „Wir wollen den Einfluss von Kündigungen so gering wie möglich halten“, sagte er.

Der Stellenabbau sei ausschließlich eine Folge der Überlappungen durch die Fusion mit GEIS und nicht mit Schwierigkeiten im Geschäft begründet. „Wir befinden uns nach wie vor in einem Wachstumsmarkt“, sagte er.

Das Vorgehen der Swiss Re unterscheidet sich damit in der Begründung deutlich von dem der Allianz. Sie hatte die angekündigte Streichung von 7500 Stellen – davon 5000 bei den Versicherungstöchtern und 2500 bei der Dresdner Bank – mit einem jahrelangen Rückgang der Kundenzahlen in Deutschland begründet.

Auch anderer Versicherer kürzen derzeit. Zurich Financial will bis zu 1000 von 5700 Stellen in Deutschland streichen. Unklar ist auch noch, wie viele Stellen hier zu Lande durch die Übernahme von Winterthur durch Axa verloren gehen. Durch die Fusion von Gerling und HDI wird ein Abbau von mindestens 1500 Jobs erwartet. Auch die DKV will streichen.

Swiss-Re-Konkurrent Münchener Rück dagegen denkt im Kerngeschäft zurzeit nicht an Streichungen beim Personal. „Auf absehbare Zeit wird es in der Rückversicherung keinen Stellenabbau geben“, sagte eine Sprecherin. Die Münchener hatten Ende 2005 in Deutschland 3365 Mitarbeiter, die Zahl soll 2006 leicht steigen.

Bild(er):

Swiss-Re-Chef Jacques Aigrain. Mit der Integration der GEIS muss er gleich eine große Aufgabe stemmen

www.ftd.de/swiss-re

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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