Gute Garantie – böse Garantie

Herbert Fromme Die Kampagne der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) gegen die Garantiefonds, lauwarm unterstützt vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, hat etwas Rührendes. Die Aktuare beklagen zu Recht, dass die Genehmigung der Fonds nach den von der Finanzaufsicht BaFin geplanten Regeln die Versicherer benachteiligt, die klassische Kapitallebensversicherungen anbieten. Die Fonds bräuchten für ihre Garantieprodukte weniger Eigenkapital als Versicherer mit ähnlichen Angeboten. DAV-Chef Norbert Heinen spricht von einer „Garantie zweiter Klasse“, die bei Kapitalmarktturbulenzen zu Lasten der Kunden gehen könnte.

Gut gebrüllt. Peinlich nur, dass Heinens Standeskollegen bei vielen Versicherern dem Angebot von fondsgebundenen Lebensversicherungen zugestimmt haben – unterlegt mit eben solchen Fonds mit „Garantien zweiter Klasse“. Die werden bisher aber statt in Deutschland in Luxemburg oder Irland aufgelegt. Die Axa drückt Garantiefondspolicen mit Macht in den Markt, auch die Allianz hat erfolgreich ein erstes Angebot platziert, und andere folgen.

Das ist verständlich. Die Garantiefonds lösen viele Probleme mit der „klassischen“ Garantie. Sie können viel flexibler gestaltet werden, sind erst bei Ablauf der Policen fällig und belasten das Eigenkapital viel weniger. Dass sie kräftig Rendite kosten, muss die Versicherer vordergründig nicht stören. Diese Kosten trägt der Kunde.

Die BaFin hat kaum eine Wahl, sie muss Garantiefonds zulassen. Sonst kommen die Angebote weiter aus Luxemburg. Für die Versicherer ist es verlockend, die starren Regelungen der deutschen Lebensversicherung auszuhebeln.

Die klassische Lebensversicherung wird zum Auslaufmodell. Manchen Verbraucherschützern geht so das liebste Feindbild verloren. Die Alternativen dürften aber kaum in ihrem Sinne sein. Für die Versicherer gilt, dass Transparenz auch über die Art der Garantien der beste Schutz gegen langfristig unzufriedene Kunden ist.

Herbert Fromme ist Versicherungskorrespondent der FTD.

Fromme.herbert@ftd.de

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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