Hausbanken scheuen Risiko und Aufwand

Vergabe von Förderkrediten ist für sie häufig unattraktiv

Von Patrick Hagen Förderkredite bieten für Existenzgründer und mittelständische Unternehmen häufig bessere Konditionen als die Angebote der Hausbanken. Die Vergabe solcher öffentlichen Mittel, die durch die Hausbanken erfolgt, ist allerdings ins Stocken geraten, da die Institute Risiko und Arbeitsaufwand scheuen. Förderbanken gehen deshalb mehr und mehr dazu über, den Hausbanken Risiken bei der Kreditvergabe abzunehmen. „Die Entlastung der Hausbanken von Kreditrisiken ist für uns von großer Bedeutung“, sagt Claudia Grönefeld, Sprecherin der NRW Bank, der größten Landesförderbank Deutschlands.

Existenzgründer und mittelständische Unternehmen, die angesichts der hohen Sicherheitsanforderungen der Banken Probleme haben, Kredite zu bekommen, greifen immer stärker auf öffentliche Förderkredite zurück. Sie müssen bei der Hausbank beantragt werden, die im Regelfall auch für den Kredit haftet. Das macht die Vergabe von Förderkrediten für die Sparkassen und Banken aber häufig unattraktiv. „In den vergangenen Jahren ist die Risikoentlastung der Hausbanken wieder in den Vordergrund gerückt“, sagt Ansgar Oberhauser von der bayerischen Förderbank LfA.

Das wichtigste Mittel zur Risikoentlastung sind immer noch Bürgschaften. Neben speziellen Bürgschaftsbanken übernehmen auch Förderbanken Bürgschaften für Kredite von Existenzgründern und Unternehmern. Ein viel genutztes Mittel sind Haftungsfreistellungen. Die Förderbank übernimmt hier einen großen Teil des Risikos. „Mit der Risikoentlastung ist die Hausbank eher bereit, das Vorhaben auch bei nicht ausreichenden Sicherheiten zu finanzieren“, sagt Grönefeld.

Entlastung der Hausbanken

Mittlerweile werden nach Angaben der LfA bei jeder zweiten Existenzgründung Förderkredite mit Haftungsfreistellung vergeben. Auch die staatliche KfW Förderbank hat vor, Banken und Sparkassen bei Krediten für Unternehmensgründer ab 2007 vollständig von der Haftung zu befreien.

Die Förderbanken setzen nicht nur auf die Verringerung der Risiken für die Hausbanken, sie haben auch ihre Zinspolitik geändert. So hat die KfW den einheitlichen Zinssatz von 5,5 Prozent für Förderkredite abgeschafft. Auch Landesförderbanken sind auf risikoorientierte Zinssätze umgestiegen, die sich an der Bonität orientieren. „Wir sehen dieses Zinssystem neben den Bürgschaften als Instrument zur Entlastung der Hausbanken“, sagt Christian Brand, Vorstandsvorsitzender der L-Bank. Durch die flexiblen Zinsen können die Banken eine Marge erhalten, die ihrem Ausfallrisiko gerecht werden.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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