Neuer Rivale bei Managerhaftung

Bermuda-Versicherer Arch mischt deutschen Markt auf · Fokus auf Mittelstand · FTD-Interview

Von Herbert Fromme und Anja Krüger, Köln Der an der New Yorker Börse gelistete Bermuda-Versicherer Arch Capital drängt mit Macht auf den deutschen Markt für Managerhaftpflichtpolicen. Das Unternehmen bedient sich dabei der britischen Zeichnungsagentur Dual, die im Auftrag von Arch Insurance (Europe) in London die Risiken versichert und mögliche Schäden abwickelt, selbst aber nicht das Risiko trägt.

Fondsgesellschaften, Sparkassen und andere Finanzdienstleister gehören zu den bevorzugten Kunden. „Wir haben aus dem Markt das Feedback bekommen, dass hier dringender Bedarf herrscht“, sagte Udo Pützer, Geschäftsführer von Dual Deutschland, im FTD-Interview.

Mit der so genannten Directors‘ and Officers‘ Liability Insurance (D&O) sichern Unternehmen ihr Führungspersonal gegen Ansprüche ab, die aus deren Berufstätigkeit entstehen.

Diese Verträge sind in den USA seit langem etabliert, in Deutschland werden sie erst seit den 90er Jahren in großem Umfang angeboten. Die fünf führenden Anbietern sind die US-Gesellschaften AIG und Chubb, außerdem Allianz, Zürich und VOV. Letztere ist eine Zeichnungsgemeinschaft von sieben Versicherern, die alle Risiken poolen. Dazu gehören Gothaer, Generali und die niederländische Nassau Versicherungen.

Der Markt ist extrem intransparent, exakte Zahlen über Prämieneinnahmen und Schäden geben die Versicherer nicht preis. Nach Schätzungen liegt das Prämienvolumen der Sparte in Deutschland bei 350 Mio. Euro.

Dual Deutschland hat im Oktober 2005 das Geschäft mit D&O-Deckungen aufgenommen. Die Firma gehört privaten britischen und spanischen Investoren. „Wir können Risiken bis zu einer Deckungssumme von 10 Mio. Euro für Arch versichern“, sagte Pützer. Das Unternehmen verkauft ausschließlich über Versicherungsmakler und zielt ausdrücklich nicht auf Großrisiken. Dax-Gesellschaften oder Unternehmen mit hohen US-Risiken versichert Arch in Deutschland nicht.

Zur Kernzielgruppe gehören Firmen aus der Finanzbranche wie Fondsgesellschaften, Banken, Sparkassen oder Versicherer. Andere D&O-Anbieter haben sich aus diesem Segment zurückgezogen. „Es gibt im Markt schlechte Schadenerfahrungen“, sagte Pützer. Ein typischer Fall: Ein Emmissionshaus verkauft Fondsanteile, es gibt über fünf Jahre keine Ausschüttung, und der Investor meldet Ansprüche an, weil der Prospekt zu optimistisch war.

In fünf Jahren will Arch in Deutschland auf 2500 Verträge kommen und fünftgrößter D&O-Versicherer werden, das wären nach heutigem Stand 20 Mio. Euro bis 30 Mio. Euro Jahresprämie. Bislang habe Dual mehr als 100 D&O-Verträge verkauft, davon ein Viertel an Finanzdienstleister, sagte Pützer. Die durchschnittliche Jahresprämie betrage mehr als 10 000 Euro. „Wir erwarten ein Prämienvolumen von 3 Mio. Euro für 2006.“

Konkurrenten werfen Dual Dumpingpreise vor. Das bestreitet Pützer. „Die Bandbreite der Preise ist ungeheuer groß“, sagte er. Sie liege zwischen ein und zehn Promille der Deckungssumme. „Wir gucken uns alles ganz genau an, wir machen nichts blind“, so Pützer. Schätze man ein Risiko als eher niedrig an, rechtfertige das eine geringere Prämie.

Erfahrungen mit Schäden hat Dual Deutschland noch nicht. In den ersten drei Jahren des Geschäftsbetriebs als D&O-Versicherer fallen nach Einschätzung von Insidern kaum Schäden an. Auch für die Zeit danach ist Pützer zuversichtlich. „80 Prozent der Schadenmeldungen sind rein vorsorglich“, glaubt er. „Es sind maximal zwei Prozent der Policen, die ein echtes Problem haben.“

www.ftd.de/dual

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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