Die Deckung wird für Kunden billiger

Der Kampf um Marktanteile ist härter geworden

Von Ilse Schlingensiepen Die Kunden der Kreditversicherer können sich über sinkende Preise freuen. Da es weniger Insolvenzen gibt, wird das Geschäft für die Versicherer lukrativer, sie geben bei den Prämien nach.

„Die großen Anbieter bekämpfen sich bis aufs Messer“, behauptet ein Makler, der nicht genannt werden möchte. Im kurzfristigen Kampf um Marktanteile seien die Versicherer zu weitreichenden Konzessionen bei den Preisen und den Deckungsobergrenzen bereit. „Was zurzeit passiert, ist nicht mehr gesund“, sagt er. Erst nach einigen großen Firmenpleiten werde wieder Vernunft in den Markt einkehren.

Sinkende Prämien bedeuten für Makler geringere Provisionseinnahmen. Die Kritik am Marktgeschehen ist also nicht ganz uneigennützig.

„In diesem Jahr ist der Preisdruck besonders heftig“, bestätigt aber Rudolf Servatius, Bereichsleiter Banken und Kreditversicherungen bei der R+V Versicherung. In Einzelfällen gingen die Preise in der Warenkreditversicherung 2006 um bis zu 40 Prozent zurück. „Bei einzelnen lukrativen Verträgen ist der Druck sogar noch größer“, sagt Servatius. Grund sei die gute Konjunktur, insbesondere die positive Entwicklung in der Bauwirtschaft.

Peter Ingenlath, Vorstand bei Atradius, sieht die Entwicklung gelassen. „Ich kann bei den Preisen nichts Dramatisches erkennen.“ Bei Atradius bewege sich die Preis-Erosion lediglich im „mittleren einstelligen Bereich“. Wie schon 2005 profitierten die Kreditversicherer auch 2006 von einer deutlichen Verbesserung der Schadenquoten, sagt Ingenlath. „Diese Entlastungen geben wir in Maßen an die Kundschaft weiter, weil es vom Markt gefordert wird.“

Auch Jochen Dümler, Vorstand beim Marktführer Euler Hermes, warnt vor Panikmache. „Der Markt ist weicher geworden“, sagt er. Von einem drastischen Ratenverfall könne aber keine Rede sein. Bei sehr guten Risiken ohne Schadenvorbelastung könne der Preis im Neugeschäft schon mal um zehn Prozent sinken. Bei der Risikoannahme habe Euler Hermes seine Strategie trotz des härteren Wettbewerbs nicht geändert, betont Dümler. „Wir machen kurzfristige Trends nicht mit.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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