Ex-Vorstand löste Affäre um Ancora aus

Mehrheitseigner wirft Aufsicht BaFin „Terror“ vor

Von Herbert Fromme, Köln Die Ermittlungen der Finanzaufsicht BaFin gegen die inzwischen insolvente Versicherungsgesellschaft Ancora beruhen auf einer Meldung des früheren Vorstands und Minderheitsaktionärs Nicolas Hübener. „Im Zuge einer turnusgemäßen Prüfung durch die BaFin fielen nur mir allein im Oktober 2005 Unregelmäßigkeiten auf, denen ich sowohl bei meinem Vorstandskollegen als auch beim Aufsichtsrat nachzugehen versuchte“, erklärte Hübener in einer Stellungnahme. Der Aufsichtsrat habe eine Prüfung durch Wirtschaftsprüfer zugesichert. „Als dies jedoch nicht geschah, habe ich den Vorgang Mitte November 2005 der BaFin gemeldet sowie mein Amt als Vorstand niedergelegt und mein Arbeitsverhältnis gekündigt“, so Hübener weiter.

Seine Stellungnahme kommt zwei Wochen nach der von der BaFin beantragen Insolvenz der Ancora und könnte als Entlastungsversuch verstanden werden. Gegen den früheren Vorstandschef und Hauptaktionär Klaus Weihtag und gegen weitere Manager, darunter auch Hübener, ermittelt die Hamburg Staatsanwaltschaft auf Anzeige der BaFin. Hübener erklärte, von einer Anzeige und Ermittlungen sei ihm nichts bekannt. Er hat inzwischen eine neue Versicherungsgesellschaft gegründet.

Weihtag warf der BaFin und dem Sonderbeauftragen in einer Erklärung „Terror“ vor. Die BaFin habe die Allmacht, „ungestraft Firmen und Existenzen zu vernichten“.

Die BaFin hatte am 15. August die Insolvenz beantragt. Bisher sind nur drei Versicherungsinsolvenzen in Deutschland bekannt geworden, in einer Reihe von anderen Fällen sorgte die BaFin durch Bestandsübertragung für Problemlösungen.

Ancora gehört zu 80 Prozent dem 81-jährigen Klaus Weihtag. Er schuldet der Gesellschaft mehrere Millionen. Auf diese Forderungen waren „erhebliche Wertberichtigungen“ nötig, so die BaFin. Sie haben das Eigenkapital von 2,8 Mio. Euro aufgezehrt. Ancora verbuchte 2005 15 Mio. Euro Prämien. Sie hat einen Bestand von 17 000 Verträgen, die gesetzlich vier Wochen nach dem Insolvenzantrag automatisch enden. Um das Geschäft bemüht sich eine Reihe von Maklern und Versicherern, darunter die Hamburger Firma Carl Rieck.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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