Neue Anlaufstelle für Containerriesen

Mit dem ersten deutschen Tiefwasserterminal steigt Wilhelmshaven in die Liga der großen Seehäfen auf

Von Bülent Erdogan und Katrin Berkenkopf Von Konkurrenz möchte Wilhelmshavens Oberbürgermeister Eberhard Menzel nicht sprechen. „Wir wollen den anderen deutschen Häfen nichts wegnehmen, sondern am weltweiten Umschlagwachstum teilhaben“, sagt Menzel vorsichtig in Richtung Hamburg und Bremerhaven. Seine Freude über den Bau des Jade-Weser-Ports, Deutschlands ersten Tiefwasserhafen für Containerschiffe, kann er aber nicht verbergen. Mit dem geplanten Terminal spielt Wilhelmshaven bald mit in der Liga der großen Seehäfen. Betreiber Eurogate will ab 2010 bis zu 2,7 Millionen Container jährlich umschlagen.

„Der Jade-Weser-Port ist schon heute eine Initialzündung für die weitere Entwicklung Wilhelmshavens“, sagt Menzel über das 900 Mio. Euro teure Bauvorhaben. An 1,7 Kilometern Kai werden in Zukunft bis zu vier Containerriesen anlegen können. Und der Hafen bietet weiteres Ausbaupotenzial: Fünf zusätzliche Kai-Kilometer sind nach Angaben von Emanuel Schiffer, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von Eurogate, noch denkbar. Damit könnten in Wilhelmshaven eines Tages mehr als zehn Millionen Stahlboxen jährlich umgeschlagen werden, sagt er. Um dieses Ass im Ärmel weiß auch Menzel: „Welcher andere Hafenstandort in Europa hat noch diesen Platz?“ In Bremerhaven ist bis 2008 die Flächenreserve erschöpft. Und auch Hamburg platzt aus allen Nähten: In diesem Jahr rechnet man mit 8,7 Millionen Containern.

Hoffen auf Arbeitsplätze

Die Kosten des Wilhelmshavener Mammutprojekts teilen sich die Länder Niedersachsen, Bremen und der künftige Terminalbetreiber Eurogate. An diesem ist das Land Bremen zu 50 Prozent beteiligt, die andere Hälfte gehört dem Hamburger Unternehmen Eckelmann. Auf Eurogate entfallen 300 Mio.Euro. Mit im Boot sitzt der Terminalbetreiber APM Terminals, der zur weltgrößten Reederei Maersk gehört. Mit einem Anteil von 30 Prozent sicherten sich die Dänen bis zu 49 Prozent der Kapazität für ihre eigenen Schiffe, 51 Prozent stehen Wettbewerbern zur Verfügung.

Menzel erhofft sich von dem Terminal 2000 neue Arbeitsplätze. „Das ist eine große Chance für die Menschen der Region, gerade für die jungen.“ Aktuell liegt die Arbeitslosenquote in Wilhelmshaven bei 12,3 Prozent. Kritiker bezweifeln die Prognosen: „Wir rechnen mit ein paar Hundert neuen Arbeitsplätzen, nicht mehr“, sagt Beatrice Claus, Expertin für Häfen und Küstenschutz bei der Umweltorganisation WWF. Der Containerumschlag laufe weitgehend automatisiert ab. Zudem erwartet sie kaum neue Gewerbeansiedlungen: Schließlich werde die Ware nur umgeladen für den weiteren Transport per Lkw oder auf kleineren Schiffen.

Organisationen wie der WWF fordern seit Jahren eine Aufgabenteilung der Häfen an der Nordseeküste. Wenn Großcontainerschiffe mit 10 000 und mehr Containern zukünftig in Wilhelmshaven abgefertigt werden, sollten sich Hamburg und Bremerhaven auf kleinere Schiffe konzentrieren. So könne auch auf die von den Hafenmanagern geforderte weitere Vertiefung von Elbe und Weser für die großen Schiffe verzichtet werden. Bis zu einem schlüssigen Hafenkonzept der Bundesregierung solle daher mit dem Bau des Wilhelmshavener Terminals gewartet werden, fordert Claus.

Die Chancen dafür stehen schlecht. Menzel erwartet schon in den kommenden Wochen den Planfeststellungsbeschluss.

Bild(er):

Jade-Weser-Port: Die Computermontage zeigt, wie der neue Hafen aussehen soll – Jade-Weser-Port

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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