Spanier kaufen Atradius

Kreditversicherer pirscht sich an Allianz heran · FTD-Interview mit Vorstandschef Verstraete

Von Herbert Fromme, Köln Der spanische Kreditversicherer Crédito y Caución (CyC) fusioniert mit dem niederländischen Weltmarktzweiten Atradius. Dadurch erhalten die spanischen Versicherer, die CyC kontrollieren, die Mehrheit an Atradius. Die neue Gesellschaft erreicht einen Jahresumsatz von 1,65 Mrd.Euro und kommt damit dem Weltmarktführer Euler Hermes – einer Tochter der Allianz – nahe, der 2005 einen Umsatz von 2 Mrd. Euro auswies. Mittelfristig plant das fusionierte Unternehmen einen Börsengang.

„Die künftige genaue Kapitalstruktur steht noch nicht fest“, sagte Atradius-Chef Wilfried Verstraete im FTD-Interview. Auf jeden Fall werde die spanische Seite eine klare Mehrheit haben. Der 48-jährige Manager verlässt das Unternehmen am 1. Oktober, soll aber beratend tätig bleiben. Neuer Atradius-Chef wird nach Vollzug der Fusion der jetzige CyC-Vorstandsvorsitzende Isidoro Unda. Für eine Übergangszeit wird Atradius-Vorstandsmitglied Peter Ingenlath die Gruppe führen.

Schon heute halten die Grupo Catalana und die Sociedad Unipersonal – die CyC-Mehrheitseigner – gemeinsam auch 49,99 Prozent an Atradius. Swiss Re besitzt 34,95 Prozent, die Deutsche Bank 12,73 Prozent und die Bank Sal. Oppenheim in Köln 2,33 Prozent. „Diese Anteilseigner werden ihre Aktien behalten“, sagte Verstraete. Atradius wird eine Kapitalerhöhung durchführen, die allein von den CyC-Eignern gezeichnet wird. Statt einer Barsumme bringen sie CyC ein.

Atradius war früher als Gerling NCM bekannt. Im Zuge der Gerling-Krise übernahmen Swiss Re und die Deutsche Bank den Kreditversicherer, verlegten den Hauptsitz nach Amsterdam und holten dann CyC ins Boot.

Kreditversicherer schützen ihre Versicherten gegen Zahlungsausfälle von Kunden. Bricht ein Unternehmen zusammen, bleiben viele Rechnungen unbezahlt, die Folgeinsolvenz zahlreicher Lieferanten ist die Regel. Wer eine Warenkreditversicherung abgeschlossen hat, muss seinem Versicherer die Kunden nennen, die er beliefern will. Der Kreditversicherer prüft diese Risiken mit Hilfe umfangreicher Datenbanken und anderer Informationsquellen und verweigert oder erteilt Deckung bis zu einer Höchstgrenze.

Damit schützt er sich und das versicherte Unternehmen vor Lieferungen an einen möglicherweise vor der Insolvenz stehenden Kunden. Außerdem bieten sie Kautionsversicherungen an, vor allem für die Bauwirtschaft bei Großprojekten. Die großen drei sind Euler-Hermes, Atradius und Coface, die zusammen fast 80 Prozent des Weltmarkts kontrollieren.

Atradius kam 2005 auf 1,28 Mrd. Euro Umsatz, der aus Prämien und Prüfgebühren besteht, CyC auf 375 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr 2006 erhöhte Atradius den Umsatz um 3,2 Prozent auf 620 Mio. Euro, der Gewinn nach Steuern stieg von 56 Mio. Euro auf 60 Mio. Euro. „Unser Return on Equity war 19,8 Prozent“, sagte Verstraete. „Darauf können wir stolz sein.“

Die gesamte Branche der Kreditversicherer verdient im Moment prächtig, auch weil die Insolvenzahlen niedriger als in den Vorjahren sind. Doch gehen die Preise wegen der intensiven Konkurrenz zurück. „Die Preissenkungen waren 2006 aber geringer als im Vorjahr“, sagte Verstraete.

Zitat:

„Die genaue Kapitalstruktur steht noch nicht fest“ – Wilfried Verstraete –

Bild(er):

Ist künftig nur noch beratend für das Unternehmen tätig: Wilfried Verstraete, derzeit noch Vorstandschef von Atradius

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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