Systematische Vorsorge ist entscheidend

Versicherungspolicen allein schützen Firmen nicht ausreichend · Komplexe Alarmsysteme müssen vernetzt werden

VON Anja Krüger, Köln Immer mehr Vorschriften und Regelungen wie das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich verlangen von Firmen die Einführung von Risikomanagementsystemen. Zahlreiche Aufforderungen und Vorgaben erwecken den Eindruck, Entscheider hätten sich in der Vergangenheit nicht um mögliche Gefahren gekümmert – in Unternehmen stößt das zunehmend auf Verärgerung und Zynismus gegenüber den neuesten Regulierungswellen.

Denn Firmen haben immer schon Risiken identifiziert und gesteuert. „In jeder operativen Einheit eines Unternehmens gab und gibt es Risikomanagement“, sagte Sven Erichson vom Versicherungsmakler Aon Jauch & Hübener. Dennoch sieht er Unterschiede: „Heute werden die einzelnen Funktionen des Risikomanagements zunehmend zusammengeführt.“

Wird aus punktueller Vorsorge eine übergreifende Strategie, werden Gefahren für das Management leichter erkenn- und damit besser steuerbar. „Risikomanagement gewinnt in Unternehmen immer mehr an Bedeutung“, sagte Günter Schlicht, Geschäftsführer des Deutschen Versicherungs-Schutzverbandes, der die Interessen von Unternehmen und Kommunen in Versicherungsfragen vertritt. In immer mehr Firmen sorgen übergreifende Abteilungen, Komitees oder Stäbe dafür, dass Gefahrenquellen nach einheitlichen Schemata erfasst und bewertet werden.

Für den Ansatz gibt es schon einen Namen – Enterprise Risk Management. Die Philosophie dieses Konzepts lässt sich so beschreiben: Isolierte Risiken können für sich genommen harmlos und auf jeden Fall beherrschbar, im Zusammenspiel aber für das Unternehmen bedrohlich sein. Das gilt für die Entwicklung der Kapitalmärkte genauso wie für Gefahren durch Naturkatastrophen oder Terror.

Zum Risikomanagement gehört, dass ein Teil der Risiken auf Dritte übertragen wird – in der Regel auf Versicherer, die für die finanziellen Folgen eines Schadens aufkommen. Doch das reicht nicht. „Beim Risikomanagement geht es auch und gerade um den Umgang mit Risiken, die nicht versicherbar sind“, sagte Schlicht. Dazu gehören vor allem Reputationsrisiken.

Selbst wenn ein Risiko versicherbar ist, bleiben Unternehmen oft auf einem Teil der finanziellen Folgen eines Schadens sitzen. Zwar übernimmt der Versicherer den Sachschaden etwa nach einem Brand, und er kommt auch für einen Teil der Verluste infolge der Betriebsunterbrechung auf. Aber den Imageschaden muss das Unternehmen selbst bewältigen. Es kann sich auch nicht dagegen versichern, dass Kunden während der Betriebsunterbrechung zur Konkurrenz abwandern.

Schadensverhütung ist deshalb ein zentraler Teil des Risikomanagements. Spezialisten entwickeln ausgeklügelte Schutzsysteme gegen Feuer- und Explosionsgefahren oder Naturkatastrophen. Diese Leistungen bieten Versicherer, Versicherungsmakler oder spezialisierte Dienstleister an. „Risikomanagement ist teilweise nicht ganz billig“, sagte Schlicht. „Aber wenn es richtig angelegt ist, profitiert ein Unternehmen langfristig.“

Auch die Assekuranz setzt auf Risikomanagement. Die US-amerikanische FM Global, einer der größten Industrieversicherer, übernimmt nur Risiken, die Spezialisten eingehend analysiert haben. „Unsere 60 Ingenieure führen im Jahr 2300 Betriebsbegehungen durch“, sagte Deutschlandchef Achim Hillgraf. Die Kosten liegen im Schnitt bei zehn Prozent der Prämie für die Versicherungspolice. „Kunden sollten die Kosten als Investition begreifen“, sagte er. Denn sie bekämen Vorschläge zur Risikominderung, etwa zum Brandschutz. Die Ingenieure erfassen auch mögliche Belastungen für den Versicherer durch Schäden – das gehört zu seinem eigenen Risikomanagement.

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Gefahren können überall lauern. Dennoch versuchen Firmen, die Risiken im Griff zu haben. Schäden drohen durch Schneelast, Feuer oder Börsencrashs – dpa/Franz-Peter Tschauner; ddp; laif/Tim Wegner

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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