Allianz-Konzern zentralisiert Kernfunktionen

Vorstandschef Michael Diekmann verteidigt Arbeitsplatzabbau und mahnt rasche Einrichtung europäischer Aufsichtsstrukturen an

Von Herbert Fromme, Brüssel Die Allianz wird ihre neue Struktur für eine starke Zentralisierung des Rückversicherungseinkaufs und Cash-Managements nutzen. Konzernchef Michael Diekmann bekräftigte gestern in Brüssel das Interesse der Allianz, auch bei der französischen Konzerngesellschaft AGF – an der die Gruppe heute 62,1 Prozent hält – ohne Minderheitsaktionäre zu arbeiten. „Es wäre schön, 100 Prozent zu halten.“

Einen Termin für ein Angebot nannte der Allianz-Chef allerdings nicht. Seit dem 13. Oktober firmiert die Konzernobergesellschaft nicht mehr als Aktiengesellschaft, sondern als Allianz SE (Societas Europaea). Gleichzeitig fusionierte sie mit der italienischen Tochter RAS. „Das hat die Struktur sehr vereinfacht“, sagte Diekmann.

Die bisher bei der RAS ganz oder teilweise angehängten Ländergesellschaften der Allianz gehören jetzt alle zur Obergesellschaft. Das ermögliche den einheitlichen Einkauf von Rückversicherungsgeschäft sowie das zentrale Cash-Management, sagte Diekmann. „Bisher hat jede rechtlich selbstständige Einheit ihre eigenen örtlichen Rückversicherungsvereinbarungen getroffen“, sagte er. Das sei nicht sehr effektiv gewesen.

Künftig werde die Rückdeckung – wie schon jetzt für die vollständig kontrollierten Unternehmen – konzernweit von der Holding gepoolt, die dann einen Teil der Rückversicherung in den eigenen Büchern behält, einen Teil an Rückversicherer gibt. Das stärke die Marktposition, ähnlich wie beim Cashpool gegenüber den Banken.

Diekmann sagte weiter, die Allianz erziele Prämieneinnahmen von 65 Mrd. Euro jährlich in 29 Ländern Europas und habe 6,5 Prozent Marktanteil. Er verlangte rasche Änderungen am Aufsichtssystem. Heute müsse die Allianz mit 29 Behörden verhandeln. Die Aufseher sollten das Prinzip des „Lead-Supervisors“ anerkennen, bei dem die Entscheidungen der Heimataufsicht für die anderen bindend sind. Diekmann verlangte die Einführung einer einzigen europäischen Aufsicht, die Entscheidungen treffe und nicht nur koordiniere.

Die Allianz will 2007 europaweit eine fondsgebundene Police auf den Markt bringen. Für Konzerne soll es Altersvorsorgeangebote geben, die Mitarbeiter mitnehmen können, wenn sie von einem Land in das andere wechseln.

Den Umbau des Deutschlandgeschäfts und den Abbau von 8200 Stellen trotz eines Milliardengewinns verteidigte Diekmann. Es gebe eine Debatte über die Frage, ob eine gut verdienende Firma rationalisieren dürfe. „Unsere Haltung dazu ist sehr klar“, sagte Diekmann. Gebe es grundlegende Probleme, müsse rasch gehandelt werden, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Anderenfalls habe die Firma ein oder zwei gute Jahre, müsse aber in Zukunft drastischere Maßnahmen ergreifen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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