Bestnoten erfordern guten Risikomix

Rating-Agenturen besitzen viel Macht und Verantwortung. Ohne eine sehr gute Bewertung haben Rückversicherer kaum Chancen auf dem Markt. Nun haben die Agenturen ihre Anforderungen erneut verschärft dsfgsd fs

VON Patrick Hagen Der damalige Weltmarktführer fühlte sich ungerecht behandelt. Als die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) 2003 die Münchener Rück von „AA-“ auf „A+“ herabstufte, wehrte sich der Rückversicherer. Die Münchener kritisierten die Analysten von S&P scharf. Ihre Modelle seien veraltet und würden nicht die tatsächliche Finanzstärke des Unternehmens abbilden. Den Machtkampf gewann die Agentur. Trotz zweier Kapitalerhöhungen stuft S&P die Münchener Rück heute immer noch mit „A+“ ein.

Dieser Konflikt zeigte der Branche deutlich, wie groß die Macht der Ratingagenturen geworden ist. Ihre Analysten bewerten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Unternehmen zahlungsunfähig wird. Auf dem deutschen Markt sind neben Marktführer S&P auch noch die Agenturen Moody’s, A.M. Best und Fitch tätig.

Für Rückversicherer gehört das Rating einer führenden Agentur zur Geschäftsgrundlage. Schließlich leben sie vom Vertrauen, das die Erstversicherer in ihre finanzielle Stärke setzen. Ihre Kunden kaufen Schutz vor Höchstrisiken und müssen sich auf die langfristige Zahlungsfähigkeit der Rückversicherungsgesellschaften verlassen können.

Ein schlechtes Rating kann sich keine Gesellschaft auf Dauer leisten. „Wenn ein Rückversicherer auf ,BBB‘ oder ,BB‘ gesetzt ist, haben wir kaum noch Chancen, Geschäft bei ihm zu platzieren“, sagt Hans-Werner Rhein, Geschäftsführer beim Rückversicherungsmakler Aon Rück. „Die Bedeutung des Ratings ist erheblich gewachsen.“ Das sehen die Rückversicherer genauso. „Ein erstklassiges Rating ist die Eintrittskarte, um überhaupt zu bestimmtem Geschäft Zugang zu bekommen“, sagt Gabriele Handrick, Sprecherin der Hannover Rück, des viertgrößten Rückversicherers weltweit.

Doch die Anforderungen der Analysten sind härter geworden. Die Rückversicherer müssen heute deutlich mehr Eigenkapital vorweisen können. Das schlägt sich in den Bewertungen nieder. Im Schnitt erzielen die großen Rückversicherer ein „A“-Rating. Vor der Aktienkrise lagen sie noch mehrheitlich bei einem sehr starken „AA-„-Rating.

Die Bewertungsmodelle der Analysten zielen nicht mehr nur auf die reine Finanzkraft eines Versicherers, sondern auch auf seine Risikostruktur. Zwar müssen Rückversicherer auch deutlich höhere Großschäden aushalten können als früher, immer wichtiger wird aber ein ganzheitliches Risikomanagement. S&P analysiert seit Ende vergangenen Jahres das Enterprise Risk Management (ERM) der Unternehmen. Dabei werden nicht nur Versicherungsrisiken, sondern auch Kapitalanlagerisiken und ihre Korrelation bewertet. „Rückversicherer, die ein gutes Risikomanagement haben, sollten von der ERM-Bewertung profitieren“, sagt Marcus Rivaldi, Analyst für Rückversicherung von S&P in London.

Nach Einschätzung der Ratingagenturen hat die Branche die verheerende Hurrikan-Saison 2005 überraschend gut überstanden. „Die Ratings für die meisten Rückversicherer haben eine stabile Prognose, daher ist unser Ausblick auf die Branche auch stabil“, sagt Timour Boudkeev, Vizepräsident von Moody’s in London. In den vergangenen Jahren hätten die Herausforderungen für die Rückversicherer noch einmal zugenommen. Klimawandel, das Aufkommen neuer Risiken und eine Vielzahl neu gegründeter Rückversicherer können der Branche große Probleme bereiten.

Die größte Frage ist nach Ansicht der Analysten, wie die Branche in Zukunft mit dem Zyklus aus hohen und niedrigen Preisen umgeht. Während die Gesellschaften zumindest öffentlich von stabilen Preisen ausgehen, sieht Rivaldi von S&P einen sich aufweichenden Markt. „Es gibt schon wieder einen Preiskampf.“ Die Rückversicherer müssten lernen, sich auf profitorientierte Verträge zu konzentrieren. „Sie müssen sicherstellen, dass sie angemessene Preise für übernommene Risiken bekommen“, sagt Rivaldi.

Zitat:

“ „Die Bedeutung des Ratings ist erheblich gewachsen“ “ – Hans-Werner Rhein, Aon Rück –

Bild(er):

Am 17. Januar 1994 verursachte das Northridge-Erdbeben in Kalifornien versicherte Schäden in Höhe von 18,45 Mrd. Dollar. Damit rangiert es in der Liste der teuersten Versicherungsschäden auf Platz vier. Das Erdbeben erreichte eine Stärke von 6,6 auf der Richterskala und zerstörte unter anderem Autobahnbrücken – CORBIS/SABA/David Butow

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit