Billig und direkt nach Übersee

Ab 2007 soll es eine Direktverbindung von Köln/Bonn nach Hongkong geben. Billigfluglinien bieten verstärkt Fernziele an, deshalb soll der Flughafen ausgebaut werden. Dies aber gefährdet ein Naturschutzgebiet dsfgsd fs

VON Katrin Berkenkopf und Bülent Erdogan Für 19 Euro plus Steuern und Gebühren zum Ballermann – solche Angebote sind Kölner gewöhnt. Schließlich sieht sich ihr Flughafen als Mekka der sogenannten Billigflieger, die sich selbst lieber Low Cost Carrier nennen. Dass es für 199 Euro jetzt auch an die Copacabana geht, ist selbst den preisverwöhnten Kölnern neu. Seit Anfang Oktober verbindet die brasilianische Airline BRA Köln mit Rio de Janeiro. Der Traum von Flughafenchef Michael Garvens, dass von der Domstadt endlich wieder Interkontinentalflüge ausgehen, ist in diesem Jahr wahr geworden.

Brasilien ist bereits das zweite Ziel in Übersee. Seit Mai bietet Continental Airlines Direktflüge nach New York an. Und mit der neu gegründeten Fluggesellschaft Oasis soll es ab nächstem Jahr eine Verbindung nach Hongkong geben.

Das dürfte die Passagierzahlen weiter in die Höhe schnellen lassen. 7,5 Millionen Menschen nutzten die beiden Terminals in den ersten neun Monaten.

Bis Jahresende werden es rund 10 Millionen sein, 2005 waren es 9,5 Millionen. Der Frachtumschlag soll mehr als 700 000 Tonnen erreichen, das wären rund neun Prozent mehr als im Vorjahr. Die Wachstumsaussichten für diesen Bereich sind allerdings begrenzt: Bereits 2008 nimmt der Flughafen-Kunde DHL sein neues Luftfrachtdrehkreuz in Leipzig in Betrieb, für Köln/Bonn bedeutet das Einbußen.

Vorerst können sich die Gesellschafter des Flughafens – die Stadt Köln, das Land Nordrhein-Westfalen und der Bund – freuen. Airportchef Garvens prognostiziert für 2006 einen Gewinn von rund 5 Mio. Euro. 2005 waren es 3 Mio. Euro.

Garvens verweist allerdings auch auf den harten Wettbewerb mit Flughäfen in der Region. Besonders bei den Bodenverkehrsdiensten versuchen die Airlines, Kosten zu drücken.

Sprecher Walter Römer prognostiziert dennoch Wachstum: „Köln hat ein einzigartiges Angebot. Es ist die Mischung aus dem großen Einzugsgebiet, intermodaler Verkehrsanbindung, einer Infrastruktur, die keine Wünsche offen lässt, sowie freien Terminalkapazitäten.“

Tatsächlich hat auch die Fluggesellschaft Germanwings, nach UPS größter Kunde des Flughafens, nichts zu meckern. „Der Köln/Bonn Airport bietet Germanwings eine perfekte Infrastruktur“, sagt Sprecher Matthias Burkard.

Deshalb wolle das Unternehmen die Aktivitäten weiter ausbauen und mehr Flugzeuge stationieren. Im Moment hat die Lufthansa-Tochter 14 Flugzeuge von Köln aus im Einsatz und fliegt 47 Ziele an. Im Winter sind es traditionell weniger, im nächsten Sommer sollen neue Ziele hinzukommen. Köln ist nicht nur Heimatflughafen der Airline, sondern auch ihr größter Standort. In diesem Jahr rechnet sie hier mit 3,5 Millionen Passagieren. 2009 sollen es 4,5 Millionen sein.

Bis zu 14,5 Millionen Passagiere könne man mit der vorhandenen Struktur pro Jahr insgesamt bewältigen, erklärt Römer. Dennoch will der Flughafen ausbauen. „Wir brauchen weitere terminalnahe Flächen.“ Deshalb sollen auf dem sogenannten Areal Nord neue Stellplätze für Flugzeuge entstehen. Es gibt zwar noch keinen Zeitplan dafür, wann das Gebiet bebaut wird. Landeswirtschaftsministerin Christa Thoben hat im Juli aber bereits die planerischen Voraussetzungen für die erste Erweiterung des Flughafens geschaffen.

Umweltschützer und Anwohner sind erbost: Das Gebiet liegt mitten im Natuschutzgebiet Wahner Heide, einem 5000 Hektar großen Heide-, Moor- und Waldgebiet mit rund 700 geschützten Tier- und Pflanzenarten. „Wir lehnen eine Bebauung ab und prüfen Klagemöglichkeiten“, sagt Holger Sticht, Sprecher des Bündnisses Wahner Heide. Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von 300 Einzelpersonen und Umweltverbänden. Die Nutzung des Geländes sei nicht zulässig, da zum einen keine Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden könnten und der Flughafen keine „zwingenden Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses“ nachweisen könne, meinen die Umweltschützer. Sie erwarten außerdem eine weitere Zunahme des Luftverkehrs, vor allem durch die Billigflieger. „Sollte der Flughafen versuchen, sein Gelände auszudehnen, werden sich einige warm anziehen müssen“, sagt Sticht.

Ministerin Thoben dagegen lobt den Flughafen als Job-Motor und engagierten Naturschützer. „Meines Wissens ist der Flughafen Köln/Bonn der einzige Flughafen, der drei Viehherden sein Eigen nennt.“

Zitat:

“ „Wir lehnen eine Bebauung ab“ “ – Holger Sticht, Bündnis Wahner Heide –

Bild(er):

Das Hauptgebäude des Flughafens Köln/Bonn. Von hier aus starten Direktflüge nach New York und Rio de Janeiro. Die Zahl der Fluggäste und der Flugbewegungen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen – Köln Bonn Airport

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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