Die Basketballer spielen ganz oben mit

Sport in Köln ist mehr als Fußball. Die Eishockey-Haie und die Basketballer von Rheinenergie Köln sind fast genauso beliebt wie der Auf- und Absteiger FC Köln dsfgsd fs

VON Patrick Hagen und Bülent Erdogan Ausgerechnet nach Düsseldorf müssen die Basketballern von Rheinenergie Köln ausweichen. Mit dem ersten Gewinn des Meistertitels haben sich die Kölner nämlich für die Champions League des Basketballs, die EuroLeague qualifiziert. Da der Verein aber keine geeignete Halle besitzt, muss er die Heimspiele beim Nachbarn und Intimfeind bestreiten.

Die bisherige Spielstätte, der EnergyDome im Stadtteil Müngersdorf, ist mit 3200 Plätzen zu klein, und in der 18 500 Zuschauer fassenden Köln-Arena gibt es keine freien Spieltermine. Für die Verantwortlichen ein untragbarer Zustand. „Es ist sehr schwer, einen Club weiterzuentwickeln, wenn er nicht über eine geeignete Spielstätte verfügt“, sagt Sportdirektor Stephan Baeck. Noch drastischer sieht das Geschäftsführer Walter Pütz: „Ohne eigene Halle geht es nicht“, sagt er mit Blick auf die Zukunft des Vereins. So hätte der Verein für die Heimspiele der Play-Off-Finales jeweils 8000 Karten verkaufen können.

Sportlich sind die Kölner, die 2001 als Regionalligaaufsteiger die zweite Liga überspringen und direkt in die erste Bundesliga aufsteigen durften, auch in der neuen Saison schwer einzuschätzen. Sportdirektor Baeck will erst mal in die Finalrunde kommen. Schließlich sei die Mannschaft mit einem Durchschnitt von 22,6 Jahren noch mal jünger als die Meistermannschaft. Von Serienmeister Alba Berlin sei man „noch ein Stück weit entfernt“, sagt er. Der ehemalige Basketballprofi Baeck kennt die Erwartungshaltung in der Stadt. „In Köln steigen die Ansprüche schnell.“

Mit ihrem Meistertitel sind die Basketballriesen zum ersten Mal so richtig ins Rampenlicht der Domstadt gerückt. Sport in Köln steht immer im Schatten des 1. FC Köln, egal in welcher Liga dieser gerade spielt. Dabei hat die Stadt mehr zu bieten als den wahrscheinlich glamourösesten Fahrstuhlverein Deutschlands. „Wir haben das Glück, dass hier mehrere Sportarten erfolgreich gespielt werden“, sagt Wirtschaftsdezernent Norbert Walter-Borjans. „Das ist wichtig für das Image Kölns als Sportstadt.“

Nach dem FC ist der örtliche Eishockey-Klub KEC die Nummer zwei im Kölner Sport. Obwohl die Haie in den vergangenen drei Spielzeiten zweimal im Play-Off-Viertelfinale ausgeschieden sind, mangelt es dem Club nicht an Selbstbewusstsein. „Wenn man die Fußball-Bundesligisten mal außen vor lässt, sind wir die Nummer eins der Sportvereine in Deutschland“, sagt der sportliche Geschäftsführer des KEC Thomas Eichin. Ein Wink an die Stadt, die sich nach Ansicht der Haie-Geschäftsführung oft zu sehr auf den Fußball konzentriert. „Wir fühlen uns manchmal schon etwas unter Wert verkauft“, sagt Eichin. „Von der Stadt kommt relativ wenig Unterstützung.“

Sportlich durchlebte der Meister von 2002 einen durchwachsenen Saisonbeginn, rangierte aber zuletzt im oberen Tabellendrittel. Eichin gibt sich zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen. „Wir sind voll im Soll.“ Es sei zwar Vereinsanspruch, jedes Jahr ins Halbfinale zu kommen, man dürfe aber nicht nur den sportlichen Erfolg sehen. „Wir sind vielleicht nicht mehr für alle Vorbild, was das Sportliche angeht, aber in Organisation und Marketing schon.“

Im Schnitt besuchen etwa 12 500 Zuschauer pro Spiel in die Köln-Arena, macht im Jahr fast 400 000 Zuschauer. Den Anteil des Stammpublikums, das fast jedes Spiel sieht, schätzt Eichin auf etwa die Hälfte. „Der Rest sind Event-Zuschauer. Denen muss man etwas bieten.“

Das wollen auch die Basketballer von Rheinenergie. Deshalb soll so schnell wie möglich eine adäquate Spielstätte her, idealerweise im rechtsrheinischen Mülheim. Der Verein will die für 7600 Zuschauer geplante Halle komplett privat finanzieren. „Mit allem drum und dran wird sie 24 bis 26 Mio. Euro kosten“, sagt Rheinenergie-Geschäftsführer Pütz. Er rechnet mit einer Bauzeit von zwölf bis vierzehn Monaten.

Noch warten die Basketballer darauf, dass die Stadt ihr Einverständnis gibt. Wenige Kilometer weiter südlich steht die Köln-Arena. Ihre Betreiber sind wenig begeistert von der Aussicht auf einen Konkurrenten. Obwohl immer gut ausgelastet, schreibt die Halle rote Zahlen.

Auch die Stadt steht den Neubau-Plänen skeptisch gegenüber. „In einem so dicht besiedelten Gebiet ist die Konkurrenz der Städte untereinander schon ein Problem. Noch schwieriger wird es, wenn das innerhalb der Stadt passiert“, sagt Wirtschaftsdezernent Walter-Borjans. Die Basketballer sehen in der Halle eher ein weiteres Angebot für jene, denen die Arena zu groß und das Palladium mit rund 3000 Plätzen für Zuschauer zu klein ist. „Ich glaube, dass viele Veranstaltungen zur Zeit an Köln vorbeigehen“, wirbt Geschäftsführer Pütz für die Zwischengröße.

Zitat:

“ „Wir fühlen uns manchmal schon etwas unter Wert verkauft“ “ – Thomas Eichin,Haie-Geschäftsführer –

Bild(er):

Das Logo des Eishockeyclubs Kölner Haie Das vierte Spiel im Play-Off-Finale um die Deutsche Meisterschaft zwischen Berlin Alba und Rheinenergie Köln. Der Kölner Spieler Marcin Gortat hängt noch am Ring, nachdem er den Ball in den Korb gedrückt hat – Getty Images/Bongarts

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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