Sicherheit im russischen Roulette

Staatliche Garantien ermöglichen deutsche Exporte in neue Märkte. Der Mittelstand soll künftig leichter von den Deckungen profitieren

Von Patrick Hagen Für deutsche Unternehmen wird es seit diesem Jahr leichter, Geschäfte in Russland zu machen. Der Staat bietet jetzt auch für Exportgeschäfte, die in Rubel bezahlt werden sollen, staatliche Hermes-Bürgschaften zur Absicherung an. Damit können deutsche Firmen den Markt besser erschließen. Bisher profitierten sie kaum von der guten Auftragslage im boomenden Russland, weil russische Städte oder Regionen nur in Rubel zahlen dürfen. Diese Geschäfte ließen sich staatlich nicht absichern.

Bei Auslandsgeschäften holen sich Unternehmen mit Kreditversicherungen Rückendeckung. Diese springen ein, falls der Kunde nicht zahlt. Für Risiken, die private Kreditversicherer nicht übernehmen, etwa wegen politischer Unsicherheiten, können Unternehmen auf die staatlichen Hermes-Bürgschaften zurückgreifen. Diese heißen so, weil der zur Allianz gehörende Kreditversicherer Euler Hermes sie zusammen mit der Wirtschaftsberatungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) gegen eine Gebühr für den Bund abwickelt. Das volle Risiko trägt der Staat.

Mit den Hermes-Bürgschaften will der Bund die deutsche Exportwirtschaft fördern. Über die Vergabe entscheidet ein Ausschuss aus Vertretern der Ministerien für Wirtschaft, Finanzen und Entwicklungspolitik sowie des Auswärtigen Amts. Kurzfristige Deckungen darf der Ausschuss nur genehmigen, wenn keine privatwirtschaftliche Alternative besteht.

Seit Sommer dieses Jahres hat der Bund das Risiko für zwei Exportgeschäfte in Rubel übernommen. „Ohne unsere Abdeckung hätten die Firmen die Aufträge nicht annehmen können“, sagt Hubert Baumeister von PwC. Abgesichert sind diese Geschäfte nur bis zur Bezahlung in Rubel. „Um die Konvertierung und Transferierung des Geldes muss sich der Exporteur kümmern.“

Feste Richtlinien für die Vergabe der Rubel-Deckungen gibt es noch nicht. „Im Augenblick sind das noch Einzelfallentscheidungen“, sagt René Andrich von Euler Hermes. Zurzeit werde ein Kriterienkatalog erarbeitet. Bislang übernahm der Bund nur die Deckung für Hartwährungen wie Dollar, Pfund oder Yen. Exporteure fordern schon seit Langem, dass der Staat auch bei Geschäften in anderen Währungen einspringt. „Bis jetzt sehen wir noch keinen großen Andrang“, sagt Baumeister. „Wir rechnen aber mit einer weiteren Nutzung der neuen Möglichkeiten, insbesondere im Infrastrukturbereich.“

Vor allem für Großprojekte in Schwellenländern und Krisenregionen sind Hermes-Deckungen unverzichtbar. Auch für den Mittelstand spielen sie eine wichtige Rolle. Drei von vier Deckungsanträgen werden nach Angaben von Euler Hermes von mittelständischen Unternehmen gestellt. „Ohne Hermes wären die deutschen Exporteure im internationalen Wettbewerb massiv benachteiligt, weil in allen wichtigen Industriestaaten staatliche Institutionen die Exporte absichern“, sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW).

Der Mittelstand soll in Zukunft leichter von den Deckungen profitieren können. „Wir haben eine Reihe von Produkten geschaffen, die vor allem für kleine und mittlere Unternehmen geeignet sind“, sagt Andrich von Euler Hermes. Dazu gehört eine Avalgarantie. Sie soll es exportierenden Firmen erleichtern, Gewährleistungsgarantien zu erfüllen, die bei Auslandsgeschäften häufig verlangt werden. Außerdem haben die Unternehmen mehr Wahlmöglichkeiten. Sie müssen nicht mehr alle Länder, in denen sie Kunden beliefern, in die Deckung einbeziehen, sondern können einzelne Staaten ausschließen. Das senkt anfallende Kosten. „Die Unternehmen müssen Länder, in denen sie ihre Kunden kennen, nicht mehr einschließen und können so eine bessere Risikoselektion betreiben“, sagt Andrich von Euler Hermes. Außerdem hat der Bund den Selbstbehalt von 15 Prozent auf zehn Prozent gesenkt. „Damit unterstützen wir kleine und mittlere Unternehmen“, sagt Andrich.

Ohoven vom BVMW ist mit den Änderungen zufrieden. „Die Erleichterungen helfen dem Mittelstand, Liquiditätsspielräume zu gewinnen und so die Exportchancen weiter zu verbessern.“

Zitat:

„Ohne Hermes wären die Exporteure benachteiligt“ – Mario Ohoven, BVMW –

Bild(er):

Russland: In einer Passage in Sankt Petersburg werben deutsche Firmenfür ihre Produkte – Caro/Muhs

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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