Allianz weist Politikerschelte zurück

Konzern bleibt im Streit um World Trade Center hart · Ansprüche umstritten

Von Herbert Fromme, Köln,und Heike Buchter, New York Die Allianz weist Kritik im Zusammenhang mit dem Neubau auf dem Gelände des World Trade Centers (WTC) zurück. Der Versicherer ist mit heftigen Vorwürfen von Investor Larry Silverstein und US-Politikern konfrontiert. Die Allianz verzögere die Schadenszahlung, deshalb könne der Neubau nicht beginnen, monieren sie. Die Politikerschelte beruht aber nach Meinung des Konzerns darauf, „dass sie nicht vollständig in der Sache unterrichtet wurden“.

Der Streit markiert ein weiteres Kapitel in dem Krieg zwischen Silverstein und den Versicherern, der in Gerichtssälen und der Öffentlichkeit ausgetragen wird. Am 11. September 2001 hatten islamistische Terroristen das WTC mithilfe entführter Linienflugzeuge zum Einsturz gebracht.

Silverstein behauptet, die Allianz schulde ihm zusätzlich zu bereits gezahlten 553 Mio. $ noch mal dieselbe Summe. „Alle Zahlungen, die ihm bislang zustehen, sind auch geleistet worden“, sagte dazu Andreas Shell, Schadenchef der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS).

Ein Kernpunkt der Auseinandersetzung mit der Allianz ist die Frage, welche Wiederherstellungskosten Silverstein zustehen. In der Feuerversicherung wird unterschieden zwischen dem Zeitwert des Gebäudes, als es abbrannte, und den (höheren) Kosten, die bei einem Neubau eines ähnlichen Gebäudes zu aktuellen Preisen entstehen. Die Differenz zwischen Zeitwert und Wiederherstellungskosten ist die “ Neubauspitze“. „Die Neubauspitze ist überhaupt erst fällig, wenn das Gebäude wieder aufgebaut wird, und nur in Bezug auf den Umfang des Aufbaus“, sagte Allianz-Manager Shell.

Allerdings wolle Silverstein kein Gebäude mit den alten Ausmaßen bauen. Zu der Frage, welche Summen dann gezahlt werden müssten, habe das Bundesgericht in Manhattan eine Gruppe hochrangiger Sachverständiger eingesetzt.

Silverstein hatte das WTC bei 24 Versicherern mit unterschiedlichen Verträgen abgedeckt, die versicherte Summe betrug 3,5 Mrd. $. Silverstein forderte ursprünglich 7 Mrd. $, weil es sich seiner Ansicht nach um zwei Schadenereignisse handelte. Die US-Gerichte sind dieser Auffassung nicht gefolgt. Nach den bisherigen Urteilen kann er höchstens 4,6 Mrd. $ erwarten.

Teil von Silversteins Taktik ist es offensichtlich, möglichst viele Verbündete zu suchen. Die Versicherungsaufsicht New York State Insurance Department hat eine Untersuchung begonnen. In einem Schreiben an Wolfgang Schatz, den US-Chef von AGCS, weist der Investmentchef für den Pensionsfonds der Stadt New York ausdrücklich darauf hin, dass er Allianz-Aktien im Wert von 54 Mio. $ halte.

Inzwischen hat WTC-Pächter Silverstein die Neubaurechte an die Hafenbehörde Port Authority verkauft. „Wir sollen zustimmen, dass damit Ansprüche Silversteins aus der Neubauspitze auf die Port Authority übergehen“, so Shell. Das sei rechtlich unmöglich. Von 89 WTC-Forderungen seien 87 überwiegend zur Zufriedenheit der Kunden abgeschlossen. „Wir stehen für ernsthafte Vergleichsgespräche bereit.“ Bisher zeige sich Silverstein aber wenig kompromissbereit.

Zitat:

„Wir stehen für ernsthafte Vergleichsgespräche bereit “ – Allianz-Manager Andreas Shell –

www.ftd.de/wtc

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Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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