Gesundheitskarte kostet Ärzte zunächst viel Geld

Geheime Kosten-Nutzen-Analyse öffentlich geworden

Von Ilse Schlingensiepen, Köln Die geplante elektronische Gesundheitskarte wird sich acht bis neun Jahre nach Einführung rechnen. Die Verteilung von Kosten und Nutzen ist aber extrem unterschiedlich: Die Krankenkassen und die privaten Krankenversicherer profitieren schon nach fünf Jahren von deutlichen Einsparungen, Ärzte, Zahnärzte und Apotheker investieren auch nach zehn Jahren noch mehr als sie herausbekommen. Das zeigt eine Kosten-Nutzen-Analyse der Unternehmensberater Booz Allen Hamilton.

Auftraggeber war die Gematik, die Betreibergesellschaft für die Gesundheitskarte. Mit ihr sollen Versicherte, Krankenkassen, Zahnärzte, Ärzte, Apotheker und Kliniken besser miteinander vernetzt werden.

Erste Ergebnisse der Analyse waren bereits im September bekannt geworden, die Gesellschafter der Gematik haben einer Veröffentlichung bis heute nicht zugestimmt. Jetzt machte der Chaos Computer Club das Dokument publik.

Nach den Berechnungen von Booz Allen Hamilton belaufen sich die Kosten für Investitionen und Betrieb in den ersten fünf Jahren auf 2,8 Mrd. Euro. Hinzu kämen 2,4 Mrd. Euro für die verschiedenen Anwendungen der Karte. Das Gesundheitsministerium hatte immer von 1,4 Mrd. Euro an Kosten gesprochen.

Die Summen seien nicht vergleichbarEuro, der Kostenrahmen bleibe gewahrt, sagte jetzt ein Gematik-Sprecher. Die Kosten-Nutzen-Analyse müsse überarbeitet werden, um zu belastbaren Aussagen kommen zu können, hatte das Bundesgesundheitsministerium schon im Oktober auf eine Kleine Anfrage hin mitgeteilt. Die Veröffentlichung des Gutachtens wollte das Ministerium nicht kommentieren.

Gerade bei den Ärzten ist in letzter Zeit der Widerstand gegen das Großprojekt gewachsen. Viele haben Bedenken wegen der Sicherheit der gespeicherten Daten. Außerdem fürchten sie die notwendigen Investitionen in Hard- und Software. Die Veröffentlichung der Kosten-Nutzen-Analyse gibt ihnen jetzt Aufwind. „Wenn es uns nicht gelingt, die Ärzte zu überzeugen, wird es schwierig, die Gesundheitskarte zum Erfolg zu führen“, sagte der Gematik-Sprecher.

Zitat:

„Die Kosten-Nutzen-Analyse muss überarbeitet werden“ – Gesundheitsministerium –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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