Maklerpools unterstützen Einzelkämpfer

Um gemeinsam stärker auftreten zu können, schließen unabhängige Vermittler sich zusammen. Die Verbünde ermöglichen ihnen ein breiteres Angebot. Doch viele Pools sind in die Krise geraten, es drohen Pleiten dsfgsd fs

VON Patrick Hagen Die 760 Makler des insolventen österreichischen Maklerpools müssen immer noch um ihre ausstehenden Provisionen bangen. Österreichs größter Zusammenschluss von Versicherungsmaklern hatte Anfang September Insolvenz angemeldet. Danach stritten Gläubiger und Konkursverwalter darum, ob die noch fälligen Provisionen in die Konkursmasse fallen oder direkt an die Makler ausbezahlt werden. Makler und Konkursverwalter haben sich mittlerweile geeinigt, die Entscheidung des Konkursgerichts steht aber noch aus. Auch in Deutschland ist die Insolvenz von Maklerpools eine reale Bedrohung, sagt René Berends vom Maklerverbund Consensus. „Einige sind finanziell bereits stark angeschlagen.“ In den nächsten Jahren drohten mehrere Pleiten von Pools. „Die Gefahr für den Makler ist, dass er als Letzter sein Geld aus der Konkursmasse bekommt.“

Vor allem kleine Makler schließen sich häufig Plattformen wie Maklerpools oder Maklerverbünden an. Neben Versicherungen bieten diese oft auch Fonds oder Zertifikate an. Entstanden sind sie Mitte der 90er-Jahre nach dem Vorbild von Einkaufsgenossenschaften wie Rewe oder Edeka. Kleine und mittelgroße Makler bündelten ihre Aufträge, um bessere Konditionen bei den Versicherern herauszuschlagen. Die Pools ermöglichen es freien Versicherungsvermittlern, die Deckungen möglichst vieler Versicherer anbieten zu können. Trotz einer Marge für die Poolbetreiber können die Makler so Provisionen erzielen, die mindestens so hoch sind wie bei einer direkten Vereinbarung mit dem Versicherer. Die meisten Pools bieten ihren Maklern außerdem eigene Deckungskonzepte an. Diese speziellen Versicherungen enthalten oft mehr als die Standarddeckungen der Versicherer und sind nur über die dem Pool angeschlossenen Makler zu haben.

Mittlerweile ist das Modell Maklerpool in die Krise geraten. Von den zurzeit 40 bis 50 Pools in Deutschland werden bis 2010 nur ein Dutzend überleben, glaubt Berends von Consensus. Als Einkaufsgemeinschaft günstige Konditionen auszuhandeln, genügt nicht mehr. „Wir müssen unsere Dienstleistung ständig ausbauen“, sagt Günther Rodius von BCA, mit 9600 angeschlossenen Vermittlern der größte Maklerpool in Deutschland. „Die Anforderungen an die Pools sind durch den engen Wettbewerb enorm gestiegen.“ Die Plattformen müssen ihren Maklern heute vor allem einen technischen Mehrwert bieten. Große Pools haben spezielle Softwarelösungen für den Vergleich von Verträgen oder die Verwaltung des Bestands im Angebot. Um das zu leisten und dem Kunden Sicherheit zu garantieren, brauchen die Pools eine gute Kapitalausstattung. „Es wird in Zukunft weniger Pools geben als derzeit – nicht nur durch Pleiten, sondern auch durch Zusammenschlüsse“, vermutet Rodius. Vor Kurzem haben bereits die Maklerpools Amex und Maxpool bekannt gegeben, dass sie zum Jahresende unter dem Namen Amaxpool fusionieren wollen.

Auch Thomas Pollmer, Leiter des Versicherungsgeschäfts beim zweitgrößten Maklerpool Jung, DMS & Cie. glaubt, dass Pools ihren Mitgliedern in Zukunft noch mehr Service bieten müssen. „Vergleichsrechner sind zwar praktisch, ersetzen aber nicht die Erfahrung.“ Der Maklerpool bietet seinen Mitgliedern deshalb Kompetenzcenter, in denen sie sich von Experten zu Themen wie Kranken-, Lebens oder Berufsunfähigkeitsversicherung beraten lassen können.

Von der Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie im nächsten Jahr erhofft Pollmer sich Vorteile für sein Unternehmen, das ursprünglich aus dem Investmentgeschäft kommt. Die Anforderungen an Investmentberater seien in der Vergangenheit härter gewesen als die für Versicherungsmakler. „Es wird eine Marktbereinigung stattfinden.“ Zudem gebe es besonders in der privaten Altersvorsorge einen Trend zu einem Zusammenwachsen der zwei Geschäftsbereiche Versicherungen und Investment. „Erfolgreiche Maklerpools müssen in Zukunft spartenübergreifende Angebote machen können“, so Pollmer.

Für Makler, die sich zusammenschließen wollen, gibt es nicht nur die Poollösung. „Wir legen Wert darauf, ein Maklerverbund und kein Pool zu sein“, sagt Berends von Consensus. „Unsere Mitglieder behalten die direkte Anbindung an die Versicherungsgesellschaft.“ Die Makler bleiben auch die tatsächlichen Eigentümer ihres Bestands. Das ist im Insolvenzfall ein Vorteil für den Vermittler. Consensus zweigt auch nichts von den Courtagen ab, die der Versicherer bezahlt. Die Mitglieder zahlen dafür einen Jahresbeitrag.

Ähnlich funktioniert auch die 1997 gegründete Vema. Die Genossenschaft gehört einem Teil ihrer Mitglieder. Nutzen können den Pool nur Mitglieder des Verbands Deutscher Versicherungsmakler (VDVM). Das soll die Qualität der Vermittler garantieren, sagt Vema-Vorstandsmitglied Andreas Brunner.

VDVM-Präsident Leberecht Funk sieht trotz der Krise weiteren Bedarf für die Maklerzusammenschlüsse. „Maklerpools sind wichtig für das Überleben der kleineren Makler.“

Bild(er):

Nach seinem knappen Punktsieg gegen John Ruiz holt sich Nikolai Walujew aus Russland am 17. Dezember 2005 zum ersten Mal den Weltmeistertitel der World Boxing Association im Schwergewicht. Hier präsentiert er dem Publikum in der Berliner Max-Schmeling-Halle seine Trophäe – Getty Images/Bongarts/Martin Rose

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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