Mehr Chancen, aber auch mehr Arbeit und Bürokratie

Mit der Neufassung des Versicherungsvertragsgesetzes ändern sich Informationspflichten und Schadenbearbeitung · Makler profitieren von Reform

Von Anja Krüger Die Novellierung des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) wird die Position der Versicherungsmakler erheblich stärken. Davon ist Maximilian Teichler, Geschäftsführer bei Willis Deutschland, überzeugt. „Für Versicherer wird der Makler ein wichtigerer Verhandlungspartner“, sagt er. Auch für Kunden werde die Zusammenarbeit mit Maklern künftig attraktiver.

Mit der voraussichtlich 2008 in Kraft tretenden Reform wird das aus dem Jahre 1908 stammende Gesetz abgelöst. Die Bundesregierung folgt bei der Neufassung in weiten Teilen den Empfehlungen einer Kommission, der auch Versicherungsmakler Teichler angehörte. Nach jetzigem Stand soll es künftig zum Beispiel das sogenannte Alles-oder-nichts-Prinzip im Schadenfall nicht mehr geben. Hat der Kunde etwa ein Fenster nicht geschlossen und wird Opfer eines Einbruchs, muss der Versicherer heute nichts zahlen, künftig aber zumindest einen Teil des Schadens übernehmen. „Wir werden eine völlig andere Schadenbearbeitung bekommen“, sagt Teichler. Der Makler wird dabei sowohl für den Versicherer als auch für den Kunden wichtiger – denn dem Anbieter nimmt er Arbeit ab, und für den Kunden holt er mehr heraus, als dieser selbst es kann oder der im Interesse des Versicherers tätige Vertreter es will.

Makler mit eigenen Bedingungswerken werden diese an das neue VVG anpassen müssen. „Das ist schon einiges an Mehrarbeit“, sagt Teichler. „Aber ich habe Schwierigkeiten, deshalb zu jammern.“ Es handele sich schlicht um eine Modernisierung. „Wir müssen mehr tun, aber das ist unser Job“, sagt der Geschäftsführer des fünftgrößten deutschen Maklers.

Auch durch die Abschaffung des sogenannten Policenmodells kommt auf die Makler Mehrarbeit zu. Bislang muss der Kunde die vollständigen Informationen und Versicherungsbedingungen erst nach der Vertragsunterzeichnung erhalten. In Zukunft muss er diese Angaben vorher bekommen. Das ist für Makler auch deshalb ein Problem, weil sich die Bedingungen ständig ändern. „Es geht natürlich nicht, dass die Versicherer uns jede Woche einen Lastwagen voller Unterlagen vor die Tür stellen“, sagt Teichler. Er ist zuversichtlich, dass die Versicherer gute Lösungen für Makler entwickeln werden, etwa Onlinesysteme.

Hans-Ludger Sandkühler vom Institut für Versicherungsmakler ist skeptischer. Das Institut vertritt 260 kleinere und mittlere Maklerbüros. Sandkühler fürchtet, dass die Versicherer ihre Informationspflichten einfach auf die Makler abwälzen. „Wer Verträge von 50 oder 60 Versicherern vermittelt, muss einen riesigen logistischen Aufwand betreiben“, sagt er. „Das bedeutet viel zusätzliche Bürokratie für Makler.“

Außerdem müssen Makler Kunden gegenüber bei der Vermittlung von Lebensversicherungen künftig die Höhe der Abschlusskosten offenlegen. Das könnte Begehrlichkeiten bei den Verbrauchern wecken, fürchtet Sandkühler. Bekommt der Makler 500 Euro für die Vermittlung einer Riester-Rente, fragt sich der Kunde möglicherweise, ob das nicht zu viel für eine halbstündige Beratung ist. Denn die Arbeit im Hintergrund sieht er nicht. Der Kunde könnte auf die Idee kommen, Teile der Provision zu verlangen. Gebühren zurückerstatten dürfen Vermittler nicht.

Willis-Geschäftsführer Teichler sieht hier kein Problem. Sein Unternehmen teilt Kunden seit einem Jahr mit, welche Vergütung es bekommt. „80 Prozent der Kunden sind daran gänzlich uninteressiert“, sagt er. Von den übrigen fänden fast alle die Vergütung in Ordnung. „Sie interessiert nur der Preis. Wie er sich zusammensetzt ist, ist ihnen gleichgültig.“

Zitat:

“ „Für Versicherer wird der Makler ein wichtigerer Verhandlungspartner“ “ – Willis-Manager Maximilian Teichler –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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