Münchener Rück kauft eigene Aktien

Versicherer startet erstes Rückkaufprogramm seiner Geschichte und hebt Gewinnprognose an

Von Herbert Fromme, Köln D ie Münchener Rückversicherung gibt 1 Mrd. Euro für das erste Aktienrückkaufprogramm ihrer Geschichte aus und stellt weitere Rückkäufe in Aussicht. „Das muss nicht das letzte Programm sein“, sagte Finanzchef Jörg Schneider gestern in einer Telefonkonferenz. Bis April 2007 will das Unternehmen eigene Papiere zurückkaufen. Nach heutigem Kurs entspricht der Rückkauf rund 3,4 Prozent des Aktienkapitals. Die Münchener Rück deutete gleichzeitig eine leicht höhere Dividende an.

Für das volle Jahr 2005 erwartet der zweitgrößte Rückversicherer der Welt jetzt einen Nettogewinn zwischen 3,2 Mrd. Euro und 3,4 Mrd. Euro, deutlich über den bisher vorhergesagten 2,6 Mrd. Euro bis 2,8 Mrd. Euro. Davon sollten rund 25 Prozent oder 800 Mio. Euro bis 850 Mio. Euro als Dividende an die Aktionäre fließen, sagte Schneider. Im Vorjahr waren es 707 Mio. Euro bei einem Nettogewinn von 2,7 Mrd. Euro.

Anleger reagierten kühl, sie hatten mehr erwartet. Die Aktie fiel um 1,9 Prozent auf 128,50 Euro.

In den ersten neun Monaten sorgten die vergleichsweise hohen Preise in der Rückversicherung und die moderate Schadensituation – vor allem große Sturmereignisse blieben aus – für einen Rekordgewinn. Er stieg von 1,39 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum, der durch den Hurrikan „Katrina“ negativ beeinflusst war, auf 2,86 Mrd.Euro im Jahr 2006. Davon stammten 2,4 Mrd. Euro aus der Rückversicherung.

Hier ist die Münchener Rück Versicherer der Versicherer: Ihre Kunden sind Assekuranzunternehmen, die ihrerseits mit Endkunden Geschäfte machen.

Vor allem über die Zwischenholding Ergo – zu der die Marken Victoria, Hamburg-Mannheimer, DKV und DAS gehören – ist der Konzern aber auch selbst als Erstversicherer im Endkundengeschäft aktiv.

In der Rückversicherung erzielte die Münchener Rück eine Schaden- und Kostenquote von 92 Prozent der Beitragseinnahmen. Pro Euro Beitrag zahlte der Rückversicherer 65 Cent für Schäden und 27 Cent für Verwaltungs- und Vertriebskosten, acht Cent blieben für das Ergebnis. Dazu kommen noch Erträge aus Kapitalanlagen.

Trotzdem sieht Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek keinen Spielraum für Preissenkungen. „Wir bestehen auf risikoadäquate Preise“, sagte Jeworrek. Diese Strategie gelte ohne Wenn und Aber. Bei Deckungen, bei denen die Münchener Rück selbst die Preise festlegt, gebe es keine Nachlässe.

In anderen Fällen ist sie proportional an Prämieneinnahmen und Schäden ihrer Kunden beteiligt. „Bei diesen proportionalen Deckungen stehen wir für Preiswettbewerb und Preisdumping nicht zur Verfügung“, sagte Jeworrek. „Wir werden uns gezielt aus Geschäft zurückziehen.“ Dazu gehörten Teile der deutschen Autoversicherung. Hier habe die Münchener Rück 50 Mio. Euro von 350 Mio. Euro Prämie aufgegeben, die sie bisher in der proportionalen Autoversicherung erzielt hat.

Da passt es ins Bild, dass der Umsatz auch in der Rückversicherung mit 16,8 Mrd. Euro nur leicht über den 16,7 Mrd. Euro des Vorjahreszeitraums lag. Offenbar sieht die Münchener Rück in ihrem Kerngeschäftsfeld zurzeit keine Wachstumsmöglichkeiten, um das überschüssige Kapital einzusetzen – deshalb der Aktienrückkauf. Finanzchef Schneider sagte, bei Megafusionen werde man die Gruppe nicht finden. Sollten aber die Preise für Firmen wieder vernünftiger werden, könne er sich auch Akquisitionen vorstellen.

In der Erstversicherung fielen die Beitragseinnahmen wegen des Verkaufs von Karlsruher und NHL von 13,3 Mrd. Euro auf 12,4 Mrd. Euro. Beim Gewinn legte dieser Konzernteil aber deutlich von 461 Mio. Euro auf 573 Mio. Euro zu.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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