New York streitet mit Allianz über Terrorschaden

Hochrangige Vertreter der US-Metropole verlangen Zahlungszusage über 553 Mio. Dollar · Versicherer lehnt dies ab

Von Heike Buchter, New York,und Herbert Fromme, Köln D em Allianz-Konzern droht im Streit um Versicherungsansprüche wegen des zerstörten World Trade Centers (WTC) weiterer Ärger. Vertreter des US-Staates New York fordern von dem Versicherer die Zusicherung einer weiteren Schadensersatzzahlung von 553 Mio. $.

„Kürzlich hat ein Bundesberufungsgericht das Urteil über die Auszahlungen bestätigt, jetzt ist es an der Zeit für die Allianz, ihre Verpflichtungen zu erfüllen“, sagte New Yorks Gouverneur George Pataki der FTD. „Die Allianz muss sicherstellen, dass diese entscheidenden Zahlungen nicht Opfer unnötiger Verzögerungen und juristischen Tauziehens werden.“ Bürgermeister Michael Bloomberg fordert: „Der rasche Wiederaufbau des WTC ist zu wichtig für Manhattans Finanzdistrikt, New York und das gesamte Land, um wegen rechtlicher Haarspaltereien aufgehalten zu werden.“

Der Streit war entstanden, nachdem sich im April der Immobilieninvestor Larry Silverstein und die Hafenbehörde auf einen Kompromiss für den Wiederaufbau geeinigt hatten. Silverstein hatte das WTC erst kurz vor den Anschlägen von der Port Authority auf 99 Jahre geleast. Nach dem jüngsten Plan erhält er gegen eine Prämie das Recht, den „Freedom Tower“ auf dem Gelände zu bauen. Er gibt den Wolkenkratzer jedoch nach der Fertigstellung an die Behörde zurück. Die Versicherer argumentieren, dass damit Silversteins Anspruch auf den Teil der Versicherungssumme, die erst nach Fertigstellung fällig wird, verfallen würde.

Die Allianz verweist darauf, dass sie bereits 553 Mio. $ gezahlt hat, alle Versicherer zusammen 2,4 Mrd. $. „Darüber hinausgehende Zahlungen, deren Höhe überhaupt noch nicht feststehen kann, sind erst nach dem Wiederaufbau fällig“, sagte Andreas Shell, Schadenchef von Allianz Global Corporate & Specialty, der zuständigen Allianz-Tochter. „Der Wiederaufbau könnte sofort beginnen, eine Verzögerung liegt nicht an den Versicherern.“ Mit den 2,4 Mrd. $ sei genügend Geld vorhanden. Bloomberg und Pataki äußerten sich im Vorfeld eines für heute geplanten Versuchs einer gütlichen Einigung. Die Gespräche hatte der zuständige Richter eines Verfahrens zwischen den Parteien angeregt.

Bürgermeister Bloomberg brachte seinen Unmut in einem Brief an Allianz-Chef Michael Diekmann zum Ausdruck. Die Weigerung der Allianz sei „inakzeptabel“, heißt es in dem Schreiben, das der FTD vorliegt. Silverstein lehnt die Einigung auf eine geringere Summe ab: „Die Allianz ist im Unrecht, und wir haben die Unterstützung aller entscheidenden Regierungsvertreter hinter uns“, sagte er der FTD.

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Quelle: Financial Times Deutschland


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