Scottish Re taumelt nach Absage

US-Lebensrückversicherer erleidet hohe Kursverluste · Scor steigt nicht ein

Von Herbert Fromme, Köln Die Aktie des in den USA tätigen Rückversicherers Scottish Re ist seit zwei Tagen heftig unter Druck. Das Papier verlor mehr als 20 Prozent, nachdem der französische Rückversicherer Scor mitgeteilt hatte, er werde kein Angebot für den angeschlagenen Konkurrenten abgeben. Am Dienstag wurde die Aktie in New York noch mit 10,70 $ gehandelt, am Donnerstagnachmittag notierte das Papier bei 8,18 $. Scottish Re will in den nächsten Tagen Quartalszahlen vorlegen, auch das heizt die Unruhe über die Zukunft des Unternehmens weiter an.

Scor-Chef Denis Kessler hatte bei einer Telefonkonferenz erklärt, das Unternehmen habe sich gegen ein Angebot für Scottish Re entschieden. „Das Management hat viel Zeit darauf verwendet, sich Scottish Re genau anzusehen“, sagte Kessler zu Analysten. „Ich kann Ihnen heute mitteilen, dass das Scor-Management entschieden hat, dem Verwaltungsrat keinen Vorschlag für den Erwerb von Scottish Re vorzulegen.“ Er begründete die Entscheidung nicht weiter.

Der französische Rückversicherer galt vor drei Jahren selbst noch als schwer angeschlagen. Seither hat sich das Unternehmen positiv entwickelt. Scor hat gerade den deutschen Spezialisten für Lebensrückversicherungen Revios für 655 Mio. Euro übernommen, die Transaktion soll in wenigen Wochen abgeschlossen werden. Der zusätzliche Kauf von Scottish Re hätte Scors Finanzkraft und Managementkapazitäten sehr stark beansprucht.

US-Anleger sehen die Scor-Absage als schweren Schlag für Scottish Re. Das Unternehmen, der drittgrößte Lebensrückversicherer in den USA, braucht dringend frisches Geld. Neben Scor wurden Hannover Rück, die Reinsurance Group of America sowie die US-Finanzgruppe Wachovia als Interessenten genannt. Hannover Rück hat wohl kaum noch Interesse, hieß es in Finanzkreisen.

Scottish Re ist auf den Kaimaninseln registriert und hat ihren Hauptsitz in Bermuda. Das Unternehmen meldete im zweiten Quartal einen Verlust von 122 Mio. $. Der Rückversicherer hatte bei knappem Eigenkapital durch niedrige Preise einen Riesenbestand zusammengekauft und sich dabei auf Fremdfinanzierungen verlassen. Die Expansion rächt sich: Die Ratingagenturen haben ihre Bewertung drastisch verschlechtert. Nun wird es schwer für Scottish Re, frisches Geld zu bekommen.

Scottish Re ist erst seit 1999 aktiv. Das Unternehmen bietet US-Lebensversicherern Rückversicherungsschutz – eine Mischung aus Finanzierungsgeschäften und der Übernahme biometrischer Risiken. Mit Nettoprämien von 1,94 Mrd. $ war Scottish Re im Jahr 2005 die Nummer 16 im Rückversicherungsmarkt.

Zitat:

„Das Management hat viel Zeit daraufverwendet“ – Scor-Chef Kessler –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit