Vermittler werfen Anbietern mangelnde Sorgfalt vor

Abbau von Arbeitsplätzen und Umstrukturierungen führen zu immer mehr Fehlern in den Policen · Makler beklagen Verlust von Know-how

Von Patrick Hagen Das Verhältnis zwischen Maklern und Versicherungsgesellschaften ist gespannt. Die Makler beklagen sich über zunehmende Schlampereien und unfaires Verhalten der Versicherer. „Bei den Policen liegt die Fehlerquote mittlerweile bei fast 50 Prozent“, sagt Peter Köhler, Geschäftsführer der Freiburger Maklerfirma Thomae und Partner. „Namen, Adressen, Zahlen – fast überall werden Fehler gemacht. “ Außerdem änderten viele Versicherer ihre Bedingungen häufig, ohne dies deutlich zu kennzeichnen. „Das treibt den Verwaltungsaufwand in die Höhe und schwächt das Vertrauen der Makler und Kunden in die Versicherer“, beklagt Köhler.

Versicherungsmakler müssen ihre Kunden beraten und ein für sie passendes Angebot suchen. Dafür brauchen sie einen guten Überblick über den Markt und müssen über die aktuellen Bedingungen der Versicherer informiert sein. Anders als Versicherungsvertreter arbeiten sie im Auftrag der Kunden und haften für Falschberatungen. Für ihre Arbeit erhalten die Makler vom Versicherer eine Vermittlungsprovision, die sogenannte Courtage.

Die Versicherer machen es den Maklern unnötig schwer, den nötigen Marktüberblick zu behalten, beklagt Köhler. „Die Gesellschaften ändern ständig ihre Bedingungen, ohne die Änderungen ausreichend kenntlich zu machen.“ Zudem seien die Courtagevereinbarungen so kompliziert gestaltet, dass ein Vergleich der verschiedenen Anbieter oft schwierig sei. Köhler vermutet Absicht dahinter. „Vieles könnte man einfacher gestalten, aber das wollen die Versicherer gar nicht.“

Ein Grund für Fehler bei der Ausstellung von Policen seien die Umstrukturierungen und die Entlassungen von Beschäftigten in der Branche, vermutet er. „Die Mitarbeiter stehen angesichts der Standortschließungen unter enormen Druck.“ Außerdem würden die Produkte immer komplizierter und erforderten besonders qualifizierte Mitarbeiter. Bei einigen Versicherern sei aber viel Know-how verloren gegangen. Auch die häufigen Umstellungen der IT-Systeme tragen nach Ansicht von Köhler zu vermehrten Fehlern bei.

„Die Branche steht unter enormem Kostendruck“, sagt Leberecht Funk, Präsident des Verbands Deutscher Versicherungsmakler und Geschäftsführer des Maklers Funk-Gruppe. „Die Versicherer sind mehr mit sich und den Analysten als mit den Kunden beschäftigt.“ Das gehe auf Kosten der Qualität, kritisiert Funk. Eine baldige Besserung der Situation sieht er nicht.

Die Versicherer weisen die Vorwürfe zurück. „Abgesehen von saisonalen Anspannungen im Automobilbereich gibt es hier keine Probleme“, sagt Christoph Groffy, Sprecher von Gerling, zu den Klagen der Makler über falsch ausgestellte Versicherungspolicen. Auch die Versicherer sind nicht immer zufrieden mit der Zusammenarbeit mit den Maklern. Vor einigen Jahren beschwerten sie sich massiv darüber, dass Vermittler die kassierten Prämien zu lange behalten würden. Dass die Makler den Einzug der Prämien übernehmen, kommt vor allem in der Sachversicherung vor. „Es gab in der Vergangenheit auch Versäumnisse, das ist mittlerweile aber kein Problem mehr“, sagt Makler Köhler. Gerling-Sprecher Groffy stimmt ihm zu: „Das Thema hat sich in den letzten Jahren entspannt.“

Es könnte allerdings durch fehlerhafte Policen bald wieder zu Problemen kommen, glauben manche Makler. „Wir können das Geld erst überweisen, wenn die Police auch richtig ausgestellt ist“, sagt Köhler. Die Prämien selbst einzuziehen, sei für die Versicherer aber auch nicht die beste Lösung. „Dann müssen sie gegenüber den Kunden auch für die Fehler gerade stehen. Zurzeit bügeln wir das aus.“

Zitat:

“ „Bei den Policen liegt die Fehlerquote mittlerweile bei fast 50 Prozent“ “ – Peter Köhler, Versicherungsmakler bei Thomae und Partner –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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