Versicherer Hiscox baut Präsenz aus

Reiche Privatleute in Deutschland im Visier · Interview mit Chief Executive Bronek Masojada

Von Herbert Fromme, Dortmund Die britische Versicherungsgruppe Hiscox plant die Eröffnung eines dritten Büros in Deutschland. „Nach München und Köln wird Hamburg wahrscheinlich zum dritten Standort“, sagte Bronek Masojada, Chief Executive der Gruppe.

Der im Londoner Versicherungsmarkt Lloyd’s aktive Versicherer hat klare Prioritäten: In Deutschland zielt das Unternehmen auf die fünf Prozent der Bevölkerung mit den höchsten Vermögen und versichert deren Häuser, Möbel und Kunstwerke. Außerdem deckt die Gruppe kleine Unternehmen ab und bietet Managerhaftung und andere Haftpflichtversicherungen, unter anderem für Werbe- und PR-Agenturen. Spezialdeckungen wie für Kidnapping und Lösegeld, die der Versicherer in Großbritannien und anderen Märkten verkauft, bietet er in Deutschland nicht aktiv an.

Der Versicherer kommt weltweit auf 1,5 Mrd. Euro Prämieneinnahmen. Deutschland spielt bisher eine kleine Rolle. „Wir erzielen hier rund 30 Mio. Euro Prämie“, sagte Masojada im FTD-Interview. Davon stammen rund 20 Mio. Euro aus der Versicherung von etwa 22 000 wohlhabenden Privatleuten, der Rest aus den Gewerbedeckungen. Masojada glaubt an ein rasches Wachstum in Deutschland. Zukäufe schließt er nicht aus – aber es sei wohl sehr schwierig, Unternehmen zu kaufen, die in den Hiscox-Nischen tätig sind. „Wenn wir aber Bestände kaufen könnten, würden wir das sehr gerne tun“, sagte er.

Schnelle Schadenbearbeitung und Internationalität sind die Hauptargumente im Verkauf. „Wir hatten gerade einen Schaden über 10 Mio. Euro in Deutschland“, sagte Masojada. Weitere Einzelheiten wollte er nicht nennen. „Das war ein sehr großes Privathaus.“ Den Schaden habe Hiscox innerhalb weniger Wochen gezahlt.

Zügige und kulante Schadenbearbeitung sei in dieser Marktnische entscheidend. „Wir hatten eine englische Kundin, die einen Ring im Wert von 40 000 Euro verloren hatte“, sagte Masojada. Hiscox habe gezahlt. Nach sechs Monaten tauchte der Ring wieder auf, er war hinter das Kinderbett gefallen. „Die Kundin wollte aber den Ring nicht mehr, sie hatte sich einen neuen, größeren gekauft“, sagte Masojada. Hiscox habe das Schmuckstück übernommen und versteigert. „Der zentrale Punkt ist, dass wir zahlungswillig sind“, so der Chief Executive. Das spreche sich bei Kunden und Maklern herum. Die Makler sind auch in Deutschland der Hauptvertriebsweg. Mit knapp 100 hat der Versicherer gute Arbeitsbeziehungen, 35 davon bringen das meiste Geschäft. „Außerdem arbeiten wir mit Privatbanken zusammen“, sagte Hiscox-Deutschlandchef Andreas Kruse.

Wichtig im Vertrieb sei die Internationalität. „Wir können die Wohnung in Frankfurt zusammen mit dem Chalet in der Schweiz oder dem Haus in Frankreich in einer Police versichern“, sagte Masojada. Als Konkurrenten in Deutschland sieht er Axa Art, den Kunstversicherungsspezialisten der Axa-Gruppe. Chubb, der US-Versicherer, hat sein Spezialgeschäft für reiche Leute vor wenigen Jahren aufgegeben.

Die Hiscox-Gruppe verlegt gerade ihren Sitz von London nach Bermuda, wird aber in der britischen Hauptstadt an der Börse bleiben. Ein Grund ist die niedrigere Besteuerung, der andere die Nähe zu den USA. „Unser US-Geschäft machte 2005 36 Prozent unserer Beitragseinnahmen aus“, sagte Masojada. Hiscox erzielte im ersten Halbjahr 2006 einen Gewinn von 47 Mio. £. Das ist deutlich weniger als die 61 Mio. £ des Vorjahreszeitraums. Trotzdem wird das Unternehmen im Gesamtjahr wohl über 2005 liegen, denn in der zweiten Hälfte des Vorjahres litt Hiscox erheblich unter den Hurrikans in den USA. Der Jahresgewinn 2005 betrug deshalb nur 49 Mio. £. Zur Absicherung gegen künftige Großschäden arrangiert Hiscox zur Zeit einen sogenannten Sidecar („Beiwagen“) auf Bermuda. Das ist ein an einen bestehenden Rückversicherer angeflanschter Spezial-Rückversicherer, der nur die Risiken eines einzelnen Kunden abdeckt, in diesem Fall des von Hiscox betriebenen Lloyd’s-Syndikats 33. „Das Volumen wird bis zu 200 Mio. $ betragen“, sagte Masojada. Der Sidecar soll im November gegründet werden und zwei Jahre lang bestehen. „Das ist der erste Sidecar, der allein zur Absicherung eines europäischen Versicherers gegründet wird.“ Euro

Bild(er):

Hiscox-Chef Bronek Masojada, 44, sieht große Chancen bei Deutschlands Wohlhabenden – Jürgen Schwarz

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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