Versicherer setzen Preiskrieg fort

Assekuranz erwartet auch für 2007 Umsatzrückgang in Kerngeschäftsfeldern · Branche verdient aber gut

Von Herbert Fromme, Berlin Der Preisdruck in der Auto- und Industrieversicherung wird im kommenden Jahr die Beitragsentwicklung der deutschen Versicherungswirtschaft insgesamt erneut negativ beeinflussen. „Wir gehen nur noch von einem sehr moderaten Wachstum von rund einem Prozent aus“, sagte Bernhard Schareck, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

In der Lebens- und Krankenversicherung werde die Branche zwar noch um zwei beziehungsweise drei Prozent zulegen. Aber in der Kernsparte Schaden- und Unfallversicherung – in der Versicherer Risiken von Fahrzeugen, Gebäuden, Hausrat, Unfall oder Haftpflicht abdecken und die höchsten Gewinne machen – stehen die Gesellschaften vor dem dritten Jahr ohne Zuwachs. „Wir erwarten einen Rückgang des Prämienvolumens von zirka einem Prozent, vorsichtig geschätzt“, sagte Schareck. 2005 stagnierte der Umsatz, 2006 wird er nach GDV-Schätzungen um 1,4 Prozent auf 54,6 Mrd. Euro sinken.

Hintergrund ist, dass sich die Versicherer nach mehreren Jahren kräftiger Preiserhöhungen im wichtigsten Teilsegment Autoversicherung seit zwei Jahren einen Preiskrieg liefern. Auch in der Industrieversicherung führt der Wettbewerb zu dramatischen Preissenkungen. Dennoch verdienen die Gesellschaften insgesamt in der Schaden- und Unfallversicherung auch 2006 noch prächtig. Das erlaubt ihnen im Kampf um Marktanteile weitere Preissenkungen für 2007.

Das versicherungstechnische Ergebnis, das nach Abzug von Schadenaufwand, Vertriebs- und Verwaltungskosten von den Prämieneinnahmen übrig bleibt, liegt nach Angaben Scharecks 2006 bei 3,2 Mrd. Euro. Im Vorjahr waren es allerdings 4,9 Mrd. Euro. Dazu kommen aber noch erhebliche Kapitalerträge von mehr als 6 Mrd. Euro jährlich, die aus der Verzinsung der Schadenreserven entstehen.

Trotz hoher Gewinne geht der Arbeitsplatzabbau weiter. 2005 hatte die Branche noch 233 000 Angestellte, Ende 2006 werden es 226 000 und 2007 222 000 sein, sagte Jörg Müller-Stein vom Arbeitgeberverband der Versicherer.

Die Assekuranz setzt darauf, dass zwei große Gesetzesvorhaben der Regierung während der parlamentarischen Beratung noch in ihrem Sinn geändert werden. Das gilt für die Gesundheitsreform und das neue Versicherungsvertragsgesetz. „Darüber gibt es zurzeit Verhandlungen“, sagte Schareck. Ein Treffen mit SPD-Fraktionschef Peter Struck am Rande der GDV-Mitgliederversammlung habe ihn hoffnungsvoll gestimmt.

Die von den privaten Krankenversicherern (PKV) angestoßene Protestbriefaktion von Vertretern und Kunden an Bundestagsabgeordnete zur Gesundheitsreform habe viele Abgeordnete zum Nachdenken gebracht, sagte Reinholt Schulte, Vorsitzender des PKV-Verbandes. Die Aktion sei ein Erfolg. GDV-Präsident Schareck stimmte ihm im Prinzip zu. Allerdings habe sie Gespräche mit Ministern und Politikern doch „belastet“.

Bild(er):

Crash-Test-Dummies treten in der Unfallforschung an die Stelle menschlicher Autofahrer. Auch die Kfz-Versicherungsbranche nutzt die Informationen der Testergebnisse – Getty Images/Science Faction/Peter Ginter

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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