Allianz schickt Banker in Vertreterbüros

Konzernchef Diekmann gibt Fehler beim Umbau zu

Von Herbert Fromme und Steffen Klusmann, München Der Allianz-Konzern stationiert ab Januar auf Testbasis Bankangestellte in rund 100 Versicherungsagenturen in Deutschland. Sie sollen dort den Versicherungskunden Bankkonten, Kreditkarten, Kredite sowie Spar- und Anlageverträge verkaufen. Das kündigte Konzernchef Michael Diekmann im FTD-Interview an. „Wir wollen in dem Pilotprojekt prüfen, ob das ökonomisch Sinn macht für den Allianz-Vertreter“, sagte Diekmann.

Der Plan ist Teil der Bemühungen des Konzernchefs, die 2001 gekaufte Dresdner Bank enger mit den Versicherern des Konzerns zu verbinden. Erste Erfolge, aus Allianz-Versicherungskunden auch Dresdner-Bank-Kunden zu machen, habe es bereits gegeben, erklärte Diekmann: „Das waren im vergangenen Jahr 360 000 Neukunden für die Dresdner Bank, die unsere Vertreter gewonnen haben, und werden 2006 auch über 300 000 sein.“

Geldautomat bei Versicherer

Die künftigen sogenannten Bankagenturen werden dabei weiter von selbstständigen Versicherungsvertretern geführt. Gleichzeitig finden die Kunden dort alle Bankdienstleistungen einschließlich Geldautomat. Das Gehalt der Bankspezialisten kommt im Anfangsstadium von der Dresdner Bank. „In dem Maße, wie der Vertreter mehr Kosten übernimmt, verdient er auch mehr Provision“, sagte Diekmann.

Das Modell sei dabei nicht auf Deutschland begrenzt. Auch in anderen Ländern werde die Allianz Bank und Versicherung enger verzahnen. Von der Tochter Dresdner Bank verlangte der Allianz-Chef, jetzt stärker mit den anderen Bankteilen des Konzerns, etwa in Italien und Frankreich, zusammenzuarbeiten. „Zumindest auf der Governance-Seite muss das zentral aus der Dresdner Bank kommen, auch die Bankplattform muss im Konzern international einheitlich sein.“

Proteste waren berechtigt

Das Modell ist Teil des Generalumbaus der deutschen Versicherungstöchter. In diesem Zusammenhang baut die Allianz 5700 Vollzeitstellen ab, dazu kommen noch 2500 Arbeitsplätze bei der Dresdner Bank. Die Stellenstreichungen und Standortschließungen hatten zu heftigen Protesten geführt. Während der hochprofitable Konzern bei der Gesamtzahl der Stellenstreichungen hart geblieben ist, hat er sich in den Verhandlungen mit den Betriebsräten in der Standortfrage flexibler gezeigt. So bleibt die Kölner Niederlassung teilweise erhalten. „Das ist ein guter Kompromiss“, sagte Diekmann. „Die ganze Standortproblematik haben wir vielleicht ein bisschen falsch angepackt“, gestand er zu.

Die Allianz habe nicht deutlich genug gemacht, dass sie sich nicht mit Vertrieb, Bank und Industrieversicherung gänzlich aus Nordrhein-Westfalen zurückziehen wollte. „Insofern ist die öffentliche Reaktion, die wir bekommen haben, hart gewesen, aber teilweise auch berechtigt.“

Weiterer Bericht 18

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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