Deutscher Ring baut um

Vorstand des mittelgroßen Versicherers wird verkleinert · Mehrheitsbeteiligung am Makler Alvecon

Von Herbert Fromme, Hamburg Die mittelgroße Hamburger Versicherungsgruppe Deutscher Ring baut ihre Struktur um. „In unserer Neuausrichtung werden wir die Prozesse im Unternehmen nochmals stringenter und durchgehender ausrichten“, sagte Konzernchef Wolfgang Fauter im FTD-Interview. „Wir wollen eine bessere Ausrichtung auf den Vertrieb erreichen.“ Der Deutsche Ring gehört zur Schweizer Versicherungsgruppe Basler.

Die praktischen Einzelheiten wollte Fauter noch nicht nennen. „Die werden wir erst Anfang 2007 mitteilen können.“ Personelle Konsequenzen in der Konzernführung hat er aber schon gezogen. Vorstandsmitglied Michel Sudbrack verlässt die Gruppe zum Jahresende. In Zukunft wird der gesamte Vertrieb von Jens Geldmacher verantwortet. Marlies Hirschberg-Tafel, die bisher nur die Krankenversicherung leitet, wird künftig konzernweit die Produktentwicklung verantworten – also auch für die Lebens- und Schaden-Unfall-Sparten. Markus Warg ist für Finanzen, IT sowie Kundenbeziehungen zuständig, Fauter bleibt Vorstandsvorsitzender.

Damit bricht der Deutsche Ring die bisherige Verantwortung nach Einzelgesellschaften weiter auf. Die Gruppe besteht aus einem Lebens-, einem Kranken- und einem Schaden-Unfall-Versicherer. Künftig werden diese drei juristisch selbstständigen Gesellschaften wie ein Unternehmen geführt – gerade was die Verzahnung mit den Vertrieben angeht.

Ähnlich geht der Marktführer Allianz vor, der seine deutschen Gesellschaften zwar auch wie gesetzlich vorgeschrieben juristisch separat lässt, sie aber praktisch fusioniert. „Wir machen aber keinen Umbau in dem Sinn, dass wir Personal freisetzen“, sagte Fauter. „Wir bauen um, um mehr Wachstum zu erzielen und uns noch besser auf den Vertrieb zu fokussieren.“ Den gesamten Innendienst habe der Deutsche Ring schon länger fusioniert. „Wir können aber noch spartenübergreifender arbeiten.“

Vorbild für den gesamten Konzern soll die Krankenversicherung sein. „Dort haben wir alles das verbessert, was es zu verbessern gibt“, sagte Fauter. Beim Neugeschäft beispielsweise erwartet er für 2006 ein Wachstum von über 30 Prozent.

In der Lebensversicherung läuft es nicht ganz so positiv – das Unternehmen hat auf die Rürup-Rente gesetzt und nach anfänglichen Enttäuschungen die Riester-Verträge aus dem Angebot genommen. „Wir hatten keine Riester-Policen mehr, werden sie aber im Jahr 2007 wieder bringen“, sagte Fauter. „Das war in den vergangenen Monaten eine Lücke.“ Der Zuwachs werde 2006 „eher verhalten“ sein. „Ich wünsche mir hier eine deutliche Steigerung in den kommenden Jahren.“ Auch in der Schaden- und Unfallversicherung kann der Konzern nicht mit ordentlichen Wachstumszahlen glänzen.

Einen Grund sieht Fauter darin, dass sich die Vertriebsstruktur im deutschen Markt ändert. „Es kommt vergleichsweise weniger über die Stammorganisation“, sagte er mit Blick auf die eigenen Vertreter. „Makler und Vertriebe werden wichtiger.“ Hier sei einerseits die Mehrheitsbeteiligung an den Vertrieben OVB und Zeus von großer Bedeutung. Andererseits müsse der Deutsche Ring den Vertriebskanal unabhängige Makler weiterentwickeln. „Wir werden die Stammorganisation nicht vergessen, aber wenn wir weiter kräftig wachsen wollen, müssen wir auch über die Makler zulegen“, sagte Fauter. Deshalb hat sich der Deutsche Ring mehrheitlich an dem Frankfurter Finanz- und Versicherungsmakler Alvecon beteiligt, die übrigen Anteile gehörten den Alvecon-Geschäftsführern Olaf Bruhn und Torsten Hofmann. Alvecon ist seit drei Jahren aktiv und verkauft mit 300 freiberuflichen Mitarbeitern. „Diese Zahl wächst rasch“, sagte Fauter. Ein Grund sei die schlechte Behandlung vieler Versicherungsvertreter durch ihre Unternehmen.

Positiv auf Wachstum und Ergebnis wirkt sich das Auslandsgeschäft in Osteuropa aus. Die Tochter OVB verkauft seit einem Jahr Ring-Policen in der Slowakei. „Das sind jetzt mehr als 500 Anträge im Monat“, sagte Fauter. Seit November sind die Lebenspolicen auch in der Tschechischen Republik im OVB-Angebot, in beiden Ländern bietet OVB auch Unfallversicherungen an. Jetzt will der Deutsche Ring in ein weiteres osteuropäisches Land gehen. „Wir prüfen Ungarn, Rumänien oder Polen.“

Zitat:

„Makler und Vertriebe werden wichtiger“ – Konzernchef Wolfgang Fauter –

Bild(er):

Wolfgang Fauter, Chef des Deutschen Rings, will in seinem Unternehmen eine engere Zusammenarbeit der Einzelgesellschaften erreichen – Fabian Bimmer

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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