Direct Line gewinnt im Preiskrieg

Direktversicherer verbessert Marktanteil und Ergebnis · Gesellschaft erwägt Start neuer Sparten

Von Herbert Fromme und Patrick Hagen, Köln Der Autoversicherer Direct Line sieht sich als einen der Gewinner des Preiskriegs in der deutschen Autoversicherung. „Unsere Wechslerstatistik ist stark positiv“, sagte Vorstandschef Albrecht Kiel im FTD-Interview. Zum Jahresende 2006 hat die Gesellschaft mehr Neukunden gewonnen als bestehende Versicherte abgegeben. „Das Plus war prozentual deutlich zweistellig“, sagte Kiel. Die genaue Zahl wollte er nicht nennen. Die reguläre Kündigungsfrist für Autoversicherungen, die ab Januar laufen, endete am 30. November. Die Ergebnisse aus der diesjährigen Wechselschlacht um die Kunden finden sich erst 2007 in den Zahlen der Versicherer. Im laufenden Jahr hat Direct Line von 248 000 auf rund 280 000 zugelegt, sagte Kiel.

Der Versicherer hat keine Vertreter und verkauft nicht über Makler. Absatzkanäle sind Callcenter, das Internet und wenige Vertriebspartner. Dazu gehören die Renault-Autohäuser, der Bertelsmann-Buchclub, die PSD Bank und KarstadtQuelle Finanz. „Sie bekommen eine Provision für die Vermittlung.“

Der Direktvertrieb habe enorme Vorteile in der Risikosteuerung. Der Versicherer müsse nicht auf Vertreter, eine Gesamtkundenbeziehung oder andere Faktoren Rücksicht nehmen, sondern könne seine Prämie entsprechend des Risikos und der Marktsituation gestalten. „Wir sind überzeugt von der direkten Kundenbeziehung. Das ist für uns ein Dogma“, sagte Kiel. Vertriebskosten sparen könne man mit Direktabschlüssen kaum, dafür sorgen Ausgaben für Marketing und Callcenter. Der eigentliche Vorteil liege in sehr niedrigen Verwaltungskosten und der besseren Risikoauswahl. „Wir investieren intensiv in das Callcenter-Management“, sagte Kiel. „Das ist bei uns kein Kostenblock, sondern unser Kerngeschäftsbereich.“

Kiel schätzt den Anteil der direkt abgeschlossenen Policen in der deutschen Autoversicherung auf zehn bis 15 Prozent, die einerseits auf Direktversicherer entfallen, andererseits – vor allem per Internet – an konventionelle Gesellschaften gehen. Bisher fristen die reinen Direktversicherer in Deutschland ein Nischendasein. Ihr kombinierter Marktanteil steigt zwar, beträgt aber immer noch weniger als fünf Prozent. „In Großbritannien sind es rund die Hälfte aller Autopolicen“, sagte Kiel. Der Hauptunterschied liegt in den Vertriebskosten konventioneller britischer Versicherer, die deutlich höher sind als die ihrer deutschen Kollegen. Dort haben die Direktversicherer einen echten Kosten- und Preisvorteil.

Trotzdem experimentieren auch hierzulande viele Gesellschaften mit dieser Vertriebsform und richten eigene Internet-Versicherer ein, darunter HUK Coburg und Allianz.

Die Konkurrenz in der Nische nimmt zu. Die britische Admiral-Gruppe, die von der Münchener Rück unterstützt wird, will demnächst auf den deutschen Markt kommen. Kiel ist darüber nicht traurig. „Der direkte Vertrieb von Autoversicherungen wird sich auf dem deutschen Markt durchsetzen“, sagte er. „Wir begrüßen den Neuzugang als Verstärkung und Beleg für diese Entwicklung.“

Direct Line in Teltow gehört zur britischen Direct Line, die ihrerseits eine Tochter der Royal Bank of Scotland ist. Der Finanzkonzern ist mit einer Marktkapitalisierung von 87 Mrd. Euro und rund 160 000 Beschäftigten einer der größten Anbietern der Welt. Der 1985 vom US-Anbieter Allstate gegründete und 2001 von Direct Line gekaufte Teltower Versicherer erzielte 2005 mit 300 Angestellten Prämieneinnahmen von 103 Mio. Euro und liegt auf Platz 45 bei den deutschen Autoversicherern. Der Verlust von 16 Mio. Euro für 2005 soll im laufenden Jahr deutlich reduziert werden. „Wir werden ein sehr gutes Jahresergebnis haben“, sagte Kiel. „Mit unserem Geschäftsmodell sind wir 2007 in den schwarzen Zahlen.“

Zur Zeit prüft die Gruppe die Aufnahme der Unfall- und Hausversicherung. Das lege der Erfolg des Modells nahe, sagte Kiel. „Aber wird noch in der Prüfungsphase, eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.“ Auf jeden Fall werde das Unternehmen 2007 zusätzlich zur Autodeckung auch die von Motorrädern aufnehmen, sagte Kiel. Private Haftpflicht- und Verkehrsrechtschutzdeckungen bietet Direct Line schon an.

Zitat:

„Wir werden ein sehr gutes Jahresergebnis haben“ – Albrecht Kiel, Direct Line –

Bild(er):

Seit 1990 wirbt der Autoversicherer Direct Line in Großbritannien mit dem roten Telefon auf Autorädern, seit 2002 auch in Deutschland (FTD-Montage) – Direct Line; FTD-Montage

www.ftd.de/directline

www.ftd.de/directline Der deutsche Versicherungsmarkt

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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