Wettbieten um Germanischen Lloyd

Milliardär Herz und TÜV Süd legen Offerte vor

Von Klaus Max Smolka, Frankfurt, Herbert Fromme, Köln,und Olaf Preuss, Hamburg Das Ringen um den deutschen Schiffs-TÜV Germanischer Lloyd (GL) hat sich zu einem spektakulären Bieterkampf entwickelt. Sowohl der Hamburger Milliardär Günter Herz, ehemals Chef und Miteigner des Kaffeerösters Tchibo, wie auch der TÜV Süd wollen GL unabhängig voneinander übernehmen. „Wir haben dieses Gebot auf Einladung des Germanischen Lloyd vorbereitet“, sagte TÜV-Süd-Chef Peter Hupfer der FTD. Beide Gebote stehen gegen eine Offerte des französischen GL-Konkurrenten Bureau Veritas über rund 500 Mio. Euro. Management und Belegschaft von GL lehnen diese als feindlich ab.

Mehrere Weiße Ritter

Die Gebote von Herz und TÜV Süd sind Teil der Abwehrstrategie des GL-Managements, das eine Übernahme durch Bureau Veritas in jedem Fall verhindern will. Allerdings ist es in solchen Fällen unüblich, gleich mehrere Bieter um freundliche Offerten zu bitten. Eigentlich steht einem sogenannten Weißen Ritter Exklusivität zu. Auch die GL-Konkurrenten Lloyd’s Register aus Großbritannien und Det Norske Veritas aus Norwegen hatten in den vergangenen Tagen angekündigt, GL mit einer Übernahme von Minderheitsanteilen beizuspringen.

Im Gegensatz zu Bureau Veritas stellt Herz keine Bedingungen. Er werde auf eine Buchprüfung bei GL verzichten und strebe die Übernahme möglichst vieler GL-Anteile an, sagte Hinrich Stahl, Chef der Hamburger Herz-Beteiligungsgesellschaft Mayfair, der FTD: „Günter Herz geht es um den Erhalt des Germanischen Lloyd am Standort Hamburg. Zudem handelt es sich nach unserer Überzeugung um eine gute Investition.“ Der Preis je Aktie liege über der Offerte von Bureau Veritas.

Eignertreffen in Hamburg

Der TÜV Süd will laut Vorstandschef Hupfer heute ebenfalls ein Angebot für alle GL-Aktien vorlegen. Man strebe eine Mindestbeteiligung von 50,1 Prozent an. Zu der Offerte von Herz sagte er: „Das ist für uns neu. Davon lassen wir uns nicht beirren.“ Im Falle einer Übernahme solle GL als Sparte eingegliedert, aber selbstständig geführt werden.

In Hamburg treffen sich heute auf Einladung des GL-Managements die Anteilseigner des Traditionsunternehmens. Sie sollten ursprünglich über das Angebot von Bureau Veritas beraten, das bis zum 20. Dezember gilt. Die Offerte von Herz ist bis zum 15. Dezember befristet, der TÜV Süd ließ die Frist offen.

Unklar ist, welche GL-Anteilseigner zu welchen Konditionen verkaufen wollen. Rund die Hälfte der Anteile liegen bei Unternehmen aus der Finanzbranche wie Deutscher Bank und Allianz, die übrigen Anteile bei Reedereien, Werften und sonstigen maritim orientierten Firmen. GL, einer der größten Schiffszertifizierer der Welt, gilt als strategisch wichtiger Teil der deutschen maritimen Wirtschaft.

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Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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