Mannheimer düpiert Heros-Kunden

Versicherer erklärt Policen für ungültig · Weiterer Grund für Zahlungsverweigerung empört Einzelhandel

Von Herbert Fromme, Köln Die Mannheimer Versicherung hat die Versicherungsdeckung für das bankrotte Geldtransportunternehmen Heros für von Anfang an ungültig erklärt. Damit hat der Versicherer einen zweiten Grund gefunden, warum er nicht für den Schaden aufkommen will.

In einem der FTD vorliegenden Brief an den Konkursverwalter und an Heros-Kunden schreibt der Versicherer, er fechte „den Versicherungsvertrag und alle damit verbundenen Erklärungen wegen arglistiger Täuschung durch Heros an“ und trete von dem Vertrag und allen damit verbundenen Erklärungen wegen der Verletzung vorvertraglicher Anzeigepflichten durch Heros zurück. Bisher hatte die Mannheimer argumentiert, die Police decke nur den Diebstahl von Bargeld ab, nicht aber das Verschieben von Mitteln über Girokonten. Gegen die Mannheimer und andere Versicherer klagen mehr als zehn Einzelhändler.

Das heißt auch, dass alle Versicherungsbestätigungen, die der Versicherer Mannheimer gegenüber Heros-Kunden ausgestellt hat, nach Ansicht der Gesellschaft von vorneherein ungültig waren. Setzte sich die Mannheimer damit durch, hätte das weitreichende Konsequenzen. Alle Versicherungsbestätigungen, die Geldtransportfirmen ihren Kunden vorlegen, wären praktisch wertlos. Denn in diesem Papier bestätigt eine Gesellschaft, dass Versicherungsdeckung auch bei Untreue und Unterschlagung besteht. Für Kunden ist schwer nachzuvollziehen, warum genau diese Bestätigung nicht gilt, wenn es wie hier zur Untreue kommt.

Ex-Heros-Chef Karl-Heinz Weis ist geständig. Er erklärte vor dem Landgericht Hildesheim am 28. November 2006, das Schneeballsystem habe seit Anfang der 90er-Jahre bestanden. Dabei hatten Heros-Manager ein Loch nach dem anderen jeweils mit neuen Kundengeldern gestopft und so mehr als 300 Mio. Euro Schaden angerichtet.

Diese Erklärung nimmt die zur österreichischen Uniqa-Gruppe gehörende Mannheimer zum Anlass, die Gültigkeit der Police anzufechten. „Die Heros-Gruppe betrieb bereits lange vor Abschluss des Versicherungsvertrages im Jahr 2001 ein Schneeballsystem, innerhalb dessen Kundengelder zweckfremd verwendet wurden“, schreibt sie. „Über die daraus resultierende und bereits 2001 bestehende erhebliche Liquiditätslücke und sämtliche Begleitumstände wurden die Versicherer der Police 7509 nicht informiert, obwohl diese gefahrenerheblichen Umstände vor Abschluss der neuen Police hätten offenbart werden müssen.“

Damit sagt die Mannheimer, dass Heros bei Vertragsabschluss den Betrug an den Kunden hätte offenbaren müssen. Weil dies nicht geschah, ist die Police ungültig. Was aus Sicht der Versicherer Sinn ergibt – schließlich kann kein bereits brennendes Haus versichert werden -, stößt auf Empörung beim Einzelhandel. „Da stellt sich die Frage nach dem Sinn einer Versicherung“, sagte Kathrin Andrae von der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels. „Auch wenn das Werttransportunternehmen eine Versicherungsbestätigung vorlegt, sind tatsächlich bestehende Risiken offensichtlich nicht abgedeckt.“ Die Einzelhändler müssten jetzt über neue Kontrollverfahren nachdenken.

Die Mannheimer ist der führende Versicherer der Heros-Grunddeckung von 10 Mio. Euro und trägt davon 62,5 Prozent. Weitere Versicherer gaben Deckung über 90 Mio. Euro. Die Police wurde vom Großmakler Marsh vermittelt, der Berichte zurückwies, nach denen er möglicherweise für den Gesamtschaden haften müsse, weil er früh vom Betrug wusste, aber die Mannheimer nicht unterrichtete. „Das entbehrt jeder Grundlage“, sagte Chief Operating Officer Georg Bräuchle. Alle entsprechenden Kundenberichte seien sofort weitergegeben worden.

Bild(er):

Der Betrug von Managern des Geldtransportunternehmens Heros an dessen Kunden führtzu Streit mit Versicherern

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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