Power steht kurz vor Putnam-Kauf

Kanadier sollen für Vermögensverwalter rund 4 Mrd. Dollar bieten · Verkäufer Marsh räumt Konzernstruktur auf

Von Andrea Felsted, London, Deborah Brewster, New York, und Herbert Fromme, Köln Die Finanzgruppe Power Corporation aus Montreal steht kurz vor der Übernahme des US-Vermögensverwalters Putnam. Verkäufer ist der US-Konzern Marsh & McLennan (MMC), zu dem auch der weltgrößte Versicherungsmakler Marsh gehört. Power-Eigner Paul Desmarais ist in Europa bekannt als enger Partner des belgischen Geschäftsmanns Albert Frère. Gemeinsam mit Frère hielt Desmarais bis 2006 25,1 Prozent der Anteile am Bertelsmann-Konzern.

Power hat offenbar konkurrierende Angebote der britischen Finanzgruppe Amvescap und der italienischen Bank Unicredit ausgestochen. Weder MMC noch Power wollten Stellung nehmen. MMC will nach Informationen aus Finanzkreisen zwischen 3 Mrd. $ und 4 Mrd. $ für Putnam erzielen. Das Power-Angebot soll am oberen Ende dieser Spanne liegen.

Der im Familienbesitz befindlichen Power-Gruppe gehören sieben Tageszeitungen in Kanada, die größte Fondsgesellschaft des Landes mit 90 Mrd. US-$ Anlegergeldern sowie Lebensversicherer. Mit der Putnam-Übernahme erhielte sie einen besseren Zugang zum US-Markt, auf dem sie bereits als Lebensversicherer tätig ist.

Gelingt der Putnam-Verkauf, würde das MMC-Chef Michael Cherkasky entlasten, der unter heftigem Druck von Anlegern und Analysten steht. Cherkasky baut MMC gerade um, nachdem sowohl der Makler Marsh als auch der Vermögensverwalter Putnam unabhängig voneinander in den vergangenen drei Jahren unter großen Skandalen zu leiden hatten. Analysten bezweifeln, dass die MMC-Struktur – zu der neben Marsh und Putnam auch das Beratungsunternehmen Mercer und die Sicherheitsfirma Kroll gehören – noch zeitgemäß ist.

Ein Großaktionär äußerte sich jedoch am Freitag sehr unzufrieden über die Verkaufspläne. Hätte der Konzern Putnam schon vor einem Jahr verkauft, hätte er rund 5 Mrd. $ erzielen können, hieß es. Damals hatte MMC einen Verkauf erwogen, ihn aber zurückgestellt. Cherkasky hoffte, dass die Konzerntochter wieder an Wert gewinnen würde. Das Gegenteil trat ein. Putnam verlor weiter Marktanteile. Das Unternehmen, das einmal zu den größten Asset-Managern in den USA gehörte, verwaltet heute 199 Mrd. $ – nur die Hälfte des Spitzenwerts aus dem Jahr 1999. Obwohl nicht nur Putnam in den Fondsskandal des Jahres 2003 verwickelt war, litt die MMC-Tochter besonders unter den Spätfolgen. Ein möglicher Grund dafür ist die magere Rendite der Fonds, die sich nach dem Skandal nie mehr richtig erholte.

Die Power-Gruppe ist auch in Europa sehr aktiv. Familienoberhaupt Paul Desmarais, 79, arbeitet seit vielen Jahren eng mit Albert Frère, 80, zusammen. Gemeinsam gehört ihnen die Schweizer Holding Pargesa. Pargesa wiederum kontrolliert die Brüsseler Groupe Bruxelles Lambert (GBL). GBL gehörte lange die Mehrheit an RTL, die das Unternehmen 2001 gegen 25,1 Prozent an Bertelsmann tauschte – verbunden mit dem Recht, Bertelsmann an die Börse zu bringen. 2006 kauften Familie Mohn und die Bertelsmann-Stiftung die 25,1 Prozent zurück. Bertelsmann ist indirekt an der FTD beteiligt. Euro

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit