Preisdruck trifft Münchener Rück

Verträge für 2007 belegen schärfere Konkurrenz unter Rückversicherern · Vorstand noch zufrieden

Von Herbert Fromme, Köln Die Münchener Rück musste bei den Vertragsverhandlungen für 2007 mit heftigem Gegenwind fertig werden. „Der Wettbewerb ist härter geworden“, sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek. Bei den Gesprächen mit den Erstversicherern standen Verträge mit einem Prämienvolumen von rund 9 Mrd. Euro zur Erneuerung an. „Per saldo dürfte die Prämie aus dem Geschäft um etwa 300 Mio. Euro, also circa drei Prozent, niedriger liegen“, teilte die Nummer zwei im Weltmarkt mit.

Zwar habe die Münchener Rück Neugeschäft für 850 Mio. Euro Prämie gewonnen, anderes Geschäft jedoch aufgegeben. Offenbar musste das Unternehmen auch Preisreduzierungen zustimmen. Analyst Brian Shea von Merrill Lynch schätzt den echten Preisabrieb auf zwei Prozent. Investoren reagierten mit Verkäufen und drückten die Aktie um 1,2 Prozent auf 121,81 Euro.

Rückversicherer decken Erstversicherer wie Allianz, Axa oder Gothaer gegen Großschäden und hohe Schadenfrequenzen ab. Die Verträge werden jährlich erneuert, in Europa meistens zum 1. Januar. Nach dem 11. September 2001 konnte die Branche weltweit deutlich höhere Preise durchsetzen. Seit mehr als einem Jahr deutet sich aber eine Trendwende an. Die meisten Gesellschaften haben sich nach den Großschäden vom 11. September und „Katrina“ ordentlich rekapitalisiert. Gleichzeitig ist frisches Geld in Rückversicherungsneugründungen vor allem auf Bermuda geflossen. Die Konkurrenz nimmt zu.

Das Ausbleiben großer Sturmkatastrophen im Jahr 2006 erleichterte den Rückversicherern das Nachgeben bei Preisen und Bedingungen, der Sturm „Kyrill“ vom 18. Januar 2007 kam zu spät, um sich auszuwirken. Er kostet die Münchener Rück 600 Mio. Euro. Ohnehin machen Deckungen gegen Naturkatastrophen nur einen kleinen Teil des Geschäfts der Rückversicherer aus.

Da die Gewinne immer noch relativ hoch sind, geben die Rückversicherer im scharfen Wettbewerb nach. „Das Preisniveau ist insgesamt attraktiv und risikoadäquat“, sagte Jeworrek. Aber er schränkte ein: „Es war für den Markt keine Erneuerung, um profitabel zu wachsen.“ Die Trends waren uneinheitlich. Preise für sturmexponiertes US-Geschäft stiegen deutlich an, bei multinationalen Verträgen in Sach- und Haftpflicht waren sie stabil. Nicht risikoadäquat seien Preise und Bedingungen in der deutschen und französischen Autoversicherung sowie in der Luftfahrt. Hier reduzierte die Münchener Rück Kapazitäten, ebenso in China.

Merrill-Lynch-Experte Brian Shea warnte vor Überinterpretationen. Es gebe jedoch kaum Grund, die Gewinnerwartungen höher anzusetzen, eher sei das Gegenteil zu erwarten. Er glaubt aber nicht, dass die Münchener Rück schon bald zu den schlechten Zahlen früherer Jahre zurückkehren wird. Für 2006 erwartet der Rückversicherer einen Rekordgewinn von 3,2 Mrd. Euro bis 3,4 Mrd. Euro.

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Vor allem die Konkurrenz sorgte für Preisdruck bei den Rückversicherern. Die geringe Sturmfrequenz 2006 – symbolisiert durch einen Windsack – spielte auch eine Rolle

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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