Rückversicherer hoffen auf Kapitalmarkt

Ansprüche aus Verbriefung werden geprüft

Von Herbert Fromme, Köln Die Rückversicherer Münchener Rück und Hannover Rück lassen zur Zeit berechnen, ob die vom Kapitalmarkt bereit gestellten Schutzprogramme für Großschäden für den Sturm „Kyrill“ greifen. Dann würden Anleger als Folge des Sturms Geld verlieren.

Ob die Münchener Rück auf Erstattung eines Teils ihres „Kyrill“-Schadens von rund 600 Mio. Euro hoffen kann, hängt davon ab, wie die US-Spezialfirma Risk Management Solutions (RMS) den Sturm in ihrem Sturmindex bewertet.

Der Index ist in den Bedingungen der 2005 aufgelegten „Aiolos“-Katastrophenanleihe (Cat-Bond) als Auslöser oder „Trigger“ vereinbart worden. Anleger erhalten für die bis 2009 laufende Anleihe einen Zins, der 4,75 Prozent über dem Normalzinssatz Euribor liegt. Dafür tragen sie das Risiko, bei besonders großen Sturmschäden Geld zu verlieren. Sollte „Kyrill“ von RMS mit einem Sturm-Indexwert über 1002,3 beurteilt werden, verlieren Anleger einen Teil der 110 Mio. Euro, den dann die Münchener Rück erhält. Liegt „Kyrill“ nach RMS-Berechnungen über 1023,6, erhält sie die gesamte Summe, die Anleger verlieren alles.

Die Münchener Rück wollte nicht Stellung nehmen. In Firmenkreisen hieß es, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Erstattung aus dem Cat-Bond klein sei. Die Prüfung sei Routine. Auch die Tatsache, dass die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) die „Aiolos“-Anleihe nach „Kyrill“ auf Beobachtungsstatus mit negativer Tendenz stellte, habe keine große Bedeutung. Das sei bei solchen Sturmereignissen üblich. „Aiolos“ wird von S&P mit „BB+“ bewertet.

Bisher gibt es in der Geschichte der Cat-Bonds nur einen Fall, bei dem Anleger möglicherweise Geld verlieren – die Kamp-Re-Anleihe über 190 Mio. $, mit der Swiss Re Sturmschäden abgesichert hat. Die Schadenschätzung aus „Katrina“ liegen über dem Trigger von Kamp Re. Ob das Geld aber auch fließt, hängt von der Höhe der tatsächlichen Schadenzahlungen ab. Die sind noch nicht abgeschlossen.

Die Hannover Rück wird durch ihre K5-Risikoverbriefung dagegen eindeutig entlastet. Bei K5 handelt es sich aber nicht um einen Cat-Bond, sondern eine proportionale Rückversicherung mit Kapitalmarktbeteiligung. Die Hannover Rück erwartet nach Erstattung durch K5 120 Mio. Euro bis 180 Mio.Euro Nettobelastung durch „Kyrill“.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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