Hannover Rück hält Preise hoch

Gerling-Übernahme durch Mutter Talanx wirkt sich positiv aus · Rückzug aus US-Haftpflichtgeschäft

Von Patrick Hagen, Hannover Die Hannover Rück hat in den Vertragsverhandlungen für 2007 das hohe Preisniveau in der Rückversicherung halten können. Der weltweit viertgrößte Branchenvertreter habe trotz geringerer Haftungssummen die Bruttoprämien leicht um zwei Prozent gesteigert, sagte Vorstand Jürgen Gräber in Hannover. Damit setzt sich die Hannover Rück von einem Trend bei ihren Mitbewerbern ab. Rückversicherer übernehmen Großrisiken für Erstversicherer wie Axa oder Zurich. Die Preise stehen allgemein unter Druck. Die Münchener Rück hat im Januar mitgeteilt, dass ihre Prämieneinnahmen für 2007 um rund drei Prozent sinken werden.

Die Hannover Rück hat zum 1. Januar für zwei Drittel ihres Umsatzes die Jahresverträge neu ausgehandelt. Zu dem positiven Ergebnis habe vor allem das Deutschlandgeschäft mit Prämiensteigerungen von 16 Prozent beigetragen, sagte Gräber. „Es wäre zu einer Senkung gekommen, wenn wir nicht die sehr positive Entwicklung in Deutschland gehabt hätten.“ Insgesamt rechnet das Unternehmen für 2007 aber wegen des Verkaufs des US-Spezialversicherers Praetorian mit einem Rückgang der Bruttoprämie um zehn Prozent.

Das Unternehmen profitiert von der Übernahme des Gerling-Konzerns durch die Talanx, zu der auch Hannover Rück gehört. Talanx sei jetzt mit über 1 Mrd. Euro Rückversicherungsprämie einer der größten Rückversicherungskäufer der Welt geworden, sagte Gräber. „Wir haben die für uns attraktiven Segmente herausgefiltert und für unser Unternehmen gesichert.“ Die Höhe der Gesamtprämie wollte er nicht genau beziffern, sie sei aber deutlich dreistellig.

Bei der Hannover Rück standen 2,6 Mrd. Euro von einem Gesamtprämienvolumen in der Schadenrückversicherung von 3,7 Mrd. Euro in 2006 zur Verlängerung an. Verträge in Höhe von 2,2 Mrd. Euro wurden verlängert, Verträge über 371 Mio. Euro wurden von der Hannover Rück gekündigt oder in veränderter Form erneuert. Der Zuwachs beträgt insgesamt 446 Mio. Euro. Damit erhöhte sich die Bruttoprämie auf rund 3,8 Mrd. Euro.

„Wir befinden uns in der ersten Phase eines aufweichenden Marktes“, sagte Gräber. Die Preise beginnen zwar zu fallen, die Konditionen sind aber zumindest in einigen Märkten noch nicht unter Druck, sagte er. Die Marktaufweichung werde sich erst in den Jahren 2008 und 2009 in den Ergebnissen bemerkbar machen. Das Unternehmen rechnet dann aber mit positiven Preiseffekten des Wintersturms „Kyrill“. Die Hannover Rück erwartet eine Nettoschadenbelastung zwischen 120 Mio. und 180 Mio. Euro für eigene Rechnung durch „Kyrill“.

Die Marktsituation unterscheide sich außerdem sehr stark nach Sparten. Das katastrophenexponierte US-Sachgeschäft liege immer noch rund 35 Prozent über den Prämien vom 1. Januar 2006.

„Im Haftpflichtgeschäft haben wir erheblichen Abbau“, sagte Gräber. Dieser werde zwischen 100 Mio. und 150 Mio. $ liegen. Dazu hätten erhöhte Selbstbehalte bei den Erstversicherern beigetragen, die Hannover Rück habe aber auch Geschäft aufgegeben. Man ziehe sich ganz bewusst aus schweren Haftpflichtrisiken wie der Pharma- und Managerhaftpflicht zurück.

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Gegen den Trend: Hannover-Rück-Vorstand Jürgen Gräber steigert im Gegensatz zu den meisten anderen Rückversicherern 2007 die Bruttoprämien – Novum/Walter Schmidt

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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