Allianz baut Zusatzleistungen aus

Konzern setzt verstärkt auf Assistance · Kunden ab 55 im Visier · Umsatz in der Autoversicherung sinkt

Von Herbert Fromme, München Die Allianz-Versicherungsgruppe will mit Bündelangeboten den Absatz ankurbeln. „Damit wollen wir uns eindeutig vom Wettbewerb unterscheiden“, sagte Gerhard Rupprecht, Chef der Allianz Deutschland AG (ADAG). Künftig werde die Assistance-Leistung ein wesentlicher Bestandteil neuer Angebote sein.

„Mit der reinen Kostenerstattung im Schaden- oder Leistungsfall ist dem Kunden nur zum Teil gedient“, sagte Rupprecht. Wer mit einem Unfall, Brand, Rohrbruch oder einer Krankheit fertig werden müsse, benötige Hilfe. „Wir wollen uns weiterentwickeln vom Gelderstatter zum Problemlöser für unsere Kunden.“ Den Allianz-Handwerkerservice für Schäden an Gebäuden und Wohnungen hat die Gruppe bereits gegründet. Eine Kernzielgruppe sollen künftig Kunden ab 55 sein, sagte Rupprecht.

Mit dem neuen Ansatz reagiert die Allianz-Führung auf die sehr gemischte Entwicklung in Deutschland im vergangenen Jahr. So stiegen die Beitragseinnahmen um 3,1 Prozent auf 25,6 Mrd. Euro und damit deutlicher als die der gesamten Branche, die um 2,3 Prozent zulegte. Auch der operative Gewinn gilt mit 2 Mrd. Euro als ordentlich. 1,3 Mrd. Euro stammten aus der Schaden- und Unfallversicherung, weitere 0,5 Mrd. Euro aus der Lebens- sowie 0,2 Mrd. Euro aus der privaten Krankenversicherung. Der Jahresüberschuss der ADAG, die Anfang 2006 an den Start gegangen war, betrug 1,7 Mrd. Euro – eine Vergleichszahl für 2005 gibt es nicht.

In wichtigen Geschäftsfeldern bröckelt es allerdings. So konnte die Allianz in der Autoversicherung ihr Volumen an versicherten Fahrzeugen nur mit Mühe halten. Ende 2006 versicherte die Allianz Deutschland 8,91 Millionen Fahrzeuge – lediglich magere 20 000 mehr als im Vorjahr. Die Prämieneinnahmen aus der Autoversicherung sanken um 4,2 Prozent auf 3,65 Mrd. Euro, zum Teil wegen höherer Schadenfreiheitsrabatte der vorsichtig fahrenden Kundschaft.

Ein weiteres Sorgenkind ist die Zahl der Vollversicherten in der privaten Krankenversicherung. Hier musste die Allianz einen erneuten Rückgang um 1,6 Prozent auf 760 000 Kunden hinnehmen. Zwar stieg das Geschäft mit Zusatzversicherungen an. Da sie aber deutlich weniger Prämienvolumen enthalten, ist dieser Trend gefährlich. Ein neues Tarifsystem mit niedrigeren Grundpreisen und höheren Risikozuschlägen soll die Entwicklung umkehren.

Deutlich besser lief es dagegen in der Lebensversicherung. „Sie ist unser Wachstumsträger“, sagte Rupprecht. Das Neugeschäft stieg von 3,5 Mrd. Euro Neubeiträgen auf 4,5 Mrd. Euro, die Prämie nahm von 12,2 Mrd. Euro auf 13,0 Mrd. Euro zu.

Der gute ADAG-Gewinn für 2006 wurde von den Allianz-Mitarbeitern noch in der bisherigen Struktur eingefahren, wenn auch mit weniger Personal. Erst 2007 führt die Gruppe ihr neues Betriebsmodell ein, mit dem sie die Verwaltungsfunktionen für alle deutschen Töchter zusammenfasst. Dabei baut der Konzern 5700 Vollzeitstellen ab. Bis Ende 2006 waren es bereits 1555 Stellen, der Rest folgt 2007 und 2008. Dabei gebe es für knapp 2100 der noch wegfallenden 4200 Stellen bereits Vereinbarungen mit den betroffenen Mitarbeitern. „Ohne die Restrukturierung wäre unser Jahresgewinn 2006 um 200 Mio.Euro höher ausgefallen“, sagte ADAG-Finanzchef Karl-Herrmann Lowe. Insgesamt kostet die Umstrukturierung 650 Mio. Euro.

Zum ersten Mal nannte Rupprecht Zahlen der neuen Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG (ABV). Hier hat das Unternehmen alle Versicherungsvertreter sowie den Vertrieb über die Dresdner Bank zusammengefasst. Die ABV erhielt 2006 insgesamt 2,1 Mrd. Euro an Provisionen, machte dabei aber einen Gewinn von nur 5 Mio. Euro.

Das sei so gewollt, sagte ADAG-Chef Rupprecht. Die Allianz-Versicherer wollten an die ABV nicht die selben Provisionen wie an freie Vertriebe zahlen. „Wir wollen Kostendruck bei der ABV erzeugen“, sagte Rupprecht. Von den Provisionen stammten nur 52 Mio. Euro von der Dresdner Bank, einschließlich denen für Fonds der Allianz Global Investors.

Bild(er):

Beten hilft, manchmal: Allianz-Deutschlandchef Gerhard Rupprecht setzt auf Rundumbetreuung vor allem älterer Kunden statt auf Kostenerstattung – dpa/Peter Kneffel

Quelle: Financial Times Deutschland

Dieser Beitrag ist nur für Premium-Abonnenten vom Versicherungsmonitor persönlich bestimmt. Das Weiterleiten der Inhalte – auch an Kollegen – ist nicht gestattet. Bitte bedenken Sie: Mit einer von uns nicht autorisierten Weitergabe brechen Sie nicht nur das Gesetz, sondern sehr wahrscheinlich auch Compliance-Vorschriften Ihres Unternehmens.

Diskutieren Sie mit