Swiss Re erfreut Anleger mit Rekord

Höhere Dividende und Aktienrückkauf beflügeln Titel des Rückversicherers · Chef Aigrain baut neue Felder aus

Von Herbert Fromme, Zürich Der weltgrößte Rückversicherer Swiss Re hat seinen Jahresgewinn im Jahr 2006 auf das Rekordniveau von 4,6 Mrd. Franken verdoppelt. Aktionäre erhalten eine von 2,50 Franken auf 3,40 Franken erhöhte Dividende. Außerdem profitieren sie von einem über drei Jahre gestaffelten Aktienrückkaufprogramm von 6 Mrd. Franken. „Wir haben in allen Geschäftsbereichen ausgezeichnet verdient“, sagte Konzernchef Jacques Aigrain. Die niedrigen Schäden aus Naturkatastrophen spielten eine positive Rolle.

Rückversicherer sind Großhändler des Risikoschutzes. Sie versichern Erstversicherer, die ihrerseits mit Endkunden Geschäfte machen, sowie große Industriebetriebe. In den vergangenen sieben Jahren konnte die Branche kräftige Preiserhöhungen durchsetzen, wenn auch von einem damals desaströs niedrigen Niveau.

Die Preise seien insgesamt noch hoch, wenn es auch in verschiedenen Segmenten einen leichten Abrieb und in einigen Spezialmärkten einen Einbruch gegeben habe, sagte Aigrain. „Dazu gehört die Versicherung der Fluggesellschaften.“ Hier habe Swiss Re das Volumen um 35 Prozent reduziert.

In der Lebensrückversicherung und im Bereich Financial Services stiegen die Gewinne um 14 Prozent sowie 21 Prozent. Swiss Re kauft unter anderem große Lebensversicherungsbestände auf und wickelt sie ab. Im Finanzbereich hat sich die Gruppe einen Namen gemacht durch die Verbriefung von Versicherungsrisiken, auch für Dritte.

Die Integration der 2006 von General Electric übernommenen Rückversicherungsgruppe GE Insurance Solutions verlaufe „besser als geplant“, sagte Aigrain. „Wir erzielen höhere Synergieeffekte, während unsere Restrukturierungskosten niedriger sind als geplant.“ Diese Kosten hatte Swiss Re mit 325 Mio. Franken budgetiert, tatsächlich werden es wohl nur 260 Mio. Franken. Der Aufwand für den Abbau von 2000 der 11500 Arbeitsplätze ist darin enthalten. Probleme mit Altlasten befürchtet er nicht.

Aigrain kündigte den Ausbau des Geschäfts mit Endkunden in der Gewerbeversicherung zunächst in den USA an. Dort baut der Konzern eine Einheit von Insurance Solutions aus. Bei Immobilienmaklern und Anwälten habe die Gruppe schon die Marktführerschaft, andere Freiberufler sollen gewonnen werden. Der Betrieb sei hochautomatisiert, sagte Aigrain. „Vom Antragseingang bis zum Ausdruck der Police dauert es sechs Sekunden.“

Der frühere Investmentbanker Aigrain wiederholte sein Ziel, im Durchschnitt eines Versicherungszyklus den Gewinn pro Aktie um jährlich zehn Prozent zu erhöhen. Ein Versicherungszyklus besteht aus jeweils einer vollen Hochpreis- und einer Niedrigpreisphase.

Die Anleger reagierten positiv: Die Aktie der Swiss Re legte um 3,4 Prozent auf 107,5 Franken zu. Das Papier des größten Konkurrenten Münchener Rück verlor dagegen am Donnerstag weitere 1,6 Prozent auf 118 Euro. Am Mittwoch war die Aktie um 3,4 Prozent abgerutscht, nachdem der Weltmarktzweite einen Rückgang des Gewinns für 2007 vorhergesagt hatte. 2006 hatte auch die Münchener Rück mit 3,5 Mrd. Euro einen Rekordgewinn eingefahren, der zum Teil auf dem Ausbleiben von Naturkatastrophen beruhte.

Zweifel von Analysten am Geschäftsmodell der Münchener Rück schadeten der Aktie ebenfalls. Einige von ihnen verlangen, dass der Konzern seine Erstversicherungsgruppe Ergo verkauft. Konkurrent Swiss Re hat seit den 90er- Jahren keine großen Erstversicherungstöchter mehr.

Zu den avisierten Aktienrückkäufen der Swiss Re von 6 Mrd. Franken gehören 1,71 Mrd. Franken für ein Paket von 4,65 Prozent, das Swiss Re gestern von General Electric für 102,76 Franken pro Stück zurückkaufte. Der US-Konzern hat mit den Papieren in knapp acht Monaten einen Gewinn von mehr als 20 Prozent eingefahren. GE hatte im Juni 2006 9,3 Prozent an Swiss Re übernommen. Mit diesen Aktien bezahlte der Rückversicherer zum Teil die Übernahme der GE-Tochter Insurance Solutions. Für die Hälfte der Aktien vereinbarten die beiden Seiten damals die garantierte Rücknahme durch Swiss Re. GE verkaufte gestern auch die andere Hälfte und ist nicht mehr an Swiss Re beteiligt.

Zitat:

„Wir habenausgezeichnet verdient“ – Swiss-Re-Chef Jacques Aigrain –

Bild(er):

Konzernchef Jacques Aigrain (r.) und der seit Donnerstag amtierende Finanzchef George Quinn versprechen anhaltend starkes Wachstum und hohe Gewinne – AP/Alessandro Della Bella; ddp/Norbert Millauer

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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