Absolventen aus Gießen verdienen am besten

Firmen suchen Versicherungsmathematiker · Gehaltsstudie der Berufsvereinigung zeigt großes Gefälle zwischen Männern und Frauen

Von Katrin Berkenkopf Mehr Geld und mehr Auswahl an möglichen Arbeitgebern – der Arbeitsmarkt für Aktuare hat sich in den vergangenen Jahren extrem positiv entwickelt. „Aktuare sind begehrt und schwer zu bekommen, vor allem, wenn man erfahrene Leute sucht“, sagt Andreas Sanner, Leiter der Versicherungsaktuare beim Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC) Deutschland. „Das Gehalt hat sich deutlich nach oben verschoben.“

Wie viel Aktuare tatsächlich verdienen, hat die Personalberatung TGMC aus Hamburg in Zusammenarbeit mit der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) untersucht. Ein Viertel aller DAV-Mitglieder beteiligte sich an der Umfrage. „Das zeigt deutlich, dass das Interesse der Aktuare am Berufsbild und an der Einschätzung ihres eigenen Marktwerts gestiegen ist“, sagt Jürgen Gleue, Autor der Gehaltsstudie. Das durchschnittliche Salär bei Vollzeitbeschäftigten lag bei rund 71 500 Euro im Jahr, allerdings mit hohen Schwankungen. Das Gehalt war nicht nur von Alter, Berufserfahrung und Führungsverantwortung anhängig. Je nachdem, in welchem Bereich die Versicherungsmathematiker tätig sind, zeigten sich deutliche Unterschiede bei der Entlohnung.

Das niedrigste Gehalt meldeten Mitarbeiter aus dem Bereich Statistik und Analyse. Sie erhielten 60 087 Euro pro Jahr. Im Marketing erreichte ein Aktuar dagegen im Schnitt 117 900 Euro. Allerdings gab es erst wenige Versicherungsmathematiker in diesem Tätigkeitsfeld. „Aktuare werden aber in immer mehr Bereichen eingesetzt“, sagt Gleue.

Das bestätigt auch Andreas Sanner von PwC. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist stets auf der Suche nach Aktuaren oder Bewerbern, die es werden wollen. Das liegt nicht nur an mehr Prüfungsmandaten, sondern auch an komplexen Themen wie dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS und Solvency II. „Der reine Wirtschaftsprüfer braucht da die Unterstützung durch Aktuare“, sagt Sanner.

Knapp 19 Prozent der Teilnehmer arbeiteten bei Beratungsunternehmen. Mehr als 38 Prozent waren bei einem Lebensversicherer tätig, 14 Prozent bei Rückversicherern.

Frauen stellten einen Anteil von rund 30 Prozent der Befragten. Wie in anderen Branchen geht die Gehaltsschere im Vergleich zu den männlichen Kollegen mit dem Alter weit auf. „Die Einstiegsgehälter sind noch relativ gleich“, sagt Gleue. Beim Jahresgehalt gibt es zu Beginn lediglich 1500 Euro Unterschied. Nach 20 Jahren Berufserfahrung verdienen die Männer mit rund 145 000 Euro schon 55 000 Euro mehr im Jahr, wohl vor allem wegen der „Babypause“. Doch selbst diejenigen, die es bis in die obersten Führungsebenen schafften, hatten deutlich geringere Gehälter als Männer.

Einen Universitätsabschluss hatten 92 Prozent der Studienteilnehmer, die meisten davon erwarben ihn in München, Köln, Ulm oder Hamburg. „Mit aller Vorsicht lässt sich sagen, dass die durchschnittlichen Gehälter der Absolventen aus Gießen am höchsten sind, gefolgt von Bochum und München“, heißt es in der Studie. Daraus könne man aber noch keinen tatsächlichen Zusammenhang zwischen Universität und Gehalt ableiten. Die Tatsache, dass Absolventen aus den östlichen Bundesländern im Schnitt weniger verdienen, liege wohl daran, dass sie „tendenziell jünger sind und daher noch ein geringeres Einkommen haben“.

Die meisten Aktuare sind in und um München und Köln aktiv. Das ist nicht verwunderlich, denkt man an den Sitz der großen Versicherer. Wo sie einmal arbeiten, bleiben sie auch möglichst lange, hat Jürgen Gleue in seiner Arbeit festgestellt. „Aktuare sind geografisch relativ immobil.“

Zitat:

„Das Gehalt hat sich deutlich nach obenverschoben“ – Andreas Sanner, PwC –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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