Alte Leipziger Leben baut 200 Stellen ab

Versicherer beschließt drastisches Kostensenkungsprogramm · Deutlich höherer Verwaltungsaufwand als im Branchenschnitt

Von Herbert Fromme, Köln Die Alte Leipziger Lebensversicherung hat gestern einen drastischen Stellenabbau bekannt gegeben. Von den 1250 Vollzeitstellen bei dem Unternehmen, das zur Gruppe Alte Leipziger Hallesche gehört, sollen 200 bis 250 bis Ende 2009 wegfallen. „Ein möglichst großer Teil des Personalabbaus soll nach Möglichkeit auf anderem Weg als über betriebsbedingte Kündigungen realisiert werden“, teilte das Unternehmen mit. Auch bei Sach- und Vertriebskosten will es sparen.

Mit der Maßnahme wolle die Alte Leipziger Leben die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und für die Auswirkungen der verschärften Konkurrenz, des neuen Versicherungsvertragsgesetzes und der Eigenkapitalvorschriften Solvency II gerüstet sein, teilte die Gruppe mit. Einzelheiten wollte ein Sprecher nicht nennen. Er verwies auf die Bilanzpressekonferenz am 31. Mai.

Die Alte Leipziger folgt mit ihrem Programm anderen Versicherern, darunter dem Marktführer Allianz, der 5700 Vollzeitstellen abbaut. Ungewöhnlich ist allerdings die Beschränkung auf den Lebensversicherer der Gruppe. Andere Versicherungsunternehmen führen Kostensenkungen über alle Konzernunternehmen durch.

Die Alte Leipziger Leben hat deutlich über dem Marktschnitt liegende Verwaltungskosten – 2005 waren es 3,9 Prozent der Beitragseinnahmen statt 3,2 Prozent für die Branche, jeweils ohne Vertriebskosten. In den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen Mühe, seinen Marktanteil zu halten, weil das Neugeschäft stark hinter den Erwartungen zurückblieb. Auch dazu wollte das Unternehmen in Bezug auf 2006 nicht Stellung nehmen.

Die Tatsache, dass nur die Alte Leipziger Leben betroffen ist, führt im Markt zu Spekulationen über eine neue Runde im alten Streit zwischen Oberursel und Stuttgart.

Die Gruppe besteht aus zwei Konzernteilen, der Lebens- und Sachgruppe in Oberursel und dem Krankenversicherer Hallesche in Stuttgart. Als sogenannter Gleichordnungskonzern wird die Versicherungsgruppe von zwei Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit geführt, der Alten Leipziger Leben und der Halleschen Kranken. Da sie ihren Mitgliedern gehören, sind sie kapitalmäßig nicht verflochten, wohl aber durch Kooperationsverträge und Doppelmandate in den Vorständen.

Seit Jahren gibt es immer wieder Spannungen zwischen den beiden Konzernteilen. Die Aufsichtsratsvorsitzenden kommen traditionell aus Stuttgart, in Oberursel gab es eine – verglichen mit anderen Versicherern – hohe Fluktuation auf dem Chefsessel. Zuletzt musste im Oktober 2005 Gerhard Bilsing den Posten überraschend räumen, er ist inzwischen Vorstand bei der Arag. Seither führt Wolfgang Stertenbrink die Gruppe.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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