Canada Life nutzt Markttrends aus

Tochter des Finanzgiganten Power Corp wächst kräftig in Deutschland · Interview mit Europachef Acton

VON Herbert Fromme, Toronto E hrgeizige Ziele hat der kanadische Lebensversicherer Canada Life seinem deutschen Management gesetzt. „Ich erwarte ein Wachstum von zehn Prozent über dem des Marktes“, sagte Bill Acton im FTD-Interview.

Acton ist Europachef das kanadischen Marktführers Great West Lifeco, der mit den Marken Great West Life, London Life und Canada Life auftritt. Die Gruppe hat eine Börsenkapitalisierung von 20 Mrd. Euro und verwaltet 272 Mrd. Euro, davon stammt die Hälfte von dem gerade gekauften US-Asset Manager Putnam. Great West Lifeco gehört mehrheitlich der kanadischen Finanzgruppe Power Corporation, die von Paul Desmarais kontrolliert wird.

Seit 2000 ist das kanadische Finanz-Schwergewicht mit einer Niederlassung in der deutschen Lebensversicherung tätig – nur mit fondsgebundenen Policen, die in Irland verwaltet werden, und nur über Makler und Großvertriebe wie AWD. Vertreter hat Deutschlandchef Günther Soboll nicht.

2002 übernahm die Gruppe Sali, die deutsche Niederlassung der britischen Prudential. „Wir sind eine der drei größten Versicherer im Neugeschäft mit fondsgebundenen Policen“, sagte Acton. Das Unternehmen habe in Deutschland in den vergangenen vier Jahren ein durchschnittliches Wachstum von 34,4 Prozent erzielt – wenn auch von einer niedrigen Basis aus. Von 170 Mio. Euro 2003 stiegen die Prämieneinnahmen auf 413 Mio. Euro 2006.

Der deutsche Markt hat schon zahlreiche angelsächsische Versicherer gesehen, die mit ihrem Modell auf den Markt kamen und wieder verschwanden. Acton ist sich sicher, dass Canada Life bleibt. „Die Veränderungen im deutschen Markt nutzen uns“, sagte er. Das gelte für den Trend weg von traditionellen Policen, hin zu fondsgebundenen. Außerdem: „Die Bedeutung der Vertreter nimmt ab, die von Maklern und anderen unabhängigen Vertriebskanälen steigt.“ Das nutze seinem Unternehmen. „Wenn sehr viele Vertreter zu Maklern werden, suchen sie auch Produktalternativen.“

Zurzeit baut das Unternehmen seine IT-Struktur für Deutschland um. „Wir werden den Maklern einen noch besseren Zugang liefern“, sagte Acton. Von der Online-Antragseingabe bis zur genauen Übersicht über Provisionszahlungen reichten die Verbesserungsmaßnahmen. „Wir übernehmen viel von dem, was wir in Kanada erfolgreich eingeführt haben“, sagte er. Die einfache Zusammenarbeit mit dem Versicherer sei der Schlüssel zum Herz der Makler. „Als Versicherer muss man dem Makler das Leben erleichtern, in der IT, in der Produkterklärung.“ Das sei noch wichtiger als die Provisionssätze oder der gute Name.

Canada Life hatte das im Jahr 2003 hautnah erfahren. „Der größte Fehler, den wir bisher in Deutschland gemacht haben, war damals die Unterschätzung unseres Erfolgs“, sagte Acton. Canada Life wurde von einer Neugeschäftswelle überrollt und kam nicht nach mit der Verarbeitung. „Damals hatten wir einfach nicht genug Leute und hatten nicht genug in die Systeme investiert.“ Große Verärgerung bei den Maklern war die Folge. Die sei jetzt überwunden, sagte Acton.

Acton sieht nicht viele Zukaufsmöglichkeiten. „An traditionellen Lebensversicherern mit den deutschen Garantiepolicen sind wir nicht interessiert.“ Bei anderen Firmen oder Beständen gebe es „nur sehr wenige von Interesse „.

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Bill Acton ist President and Chief Executive Europe bei Canada Life. Die deutsche Niederlassung ist seit 2000 aktiv – Simon Hayter

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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