Cash Life startet Fondshandel

Käufer von Versicherungspolicen weitet Geschäft aus · Ergebnis geht zurück

Von Patrick Hagen, Frankfurt Cash Life, bisher als Zweitvermarkter von Lebensversicherungen aktiv, will sein Geschäftsmodell auf Anteile an geschlossenen Fonds ausweiten. Noch in diesem Jahr werde das Unternehmen aus Pullach bei München den Ankauf und die Vermittlung von Anteilen an geschlossenen Fonds beginnen, sagte Vorstandschef Stefan Kleine-Depenbrock am Donnerstag. „Ich wüsste kein anderes Unternehmen in Deutschland, das dafür prädestinierter wäre.“

Im Zweitmarkt für Lebensversicherungen hat Cash Life nach eigenen Angaben einen Anteil von 60 Prozent. Das Unternehmen kauft Policen von Kunden, die vor der vereinbarten Laufzeit kündigen wollen, zu einem höheren Preis als der Versicherer zahlen würde.

Cash Life zahlt die Beiträge weiter und erhält nach Vertragsende das angesparte Kapital. Stirbt der Kunde vor Ablauf, zahlt der Zweitverwerter die Summe abzüglich des Kaufpreises und der Kosten an die Begünstigten. Seit Mitte 2006 vermittelt Cash Life auch Darlehen auf Lebenspolicen. Nach Angaben des Unternehmens wird jede zweite Lebensversicherung in Deutschland vorzeitig gekündigt.

Jetzt sieht Kleine-Depenbrock neue Chancen im stark wachsenden Zweitmarkt für geschlossene Fonds. Statt auf Versteigerungen bei Handelsplattformen setzt das Unternehmen dabei auf feste Preise. „Ich glaube nicht, dass sich das Modell der Börsenplattform durchsetzen wird“, sagte Kleine-Depenbrock. Geschlossene Fonds investieren vor allem in Immobilien oder Schiffe, ein deutlich kleinerer Teil in Lebensversicherungen oder Windkraftanlagen.

Im Kerngeschäft hat das Unternehmen im vergangenen Jahr Policen im Wert vom 636 Mio. Euro eingekauft, 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieses Jahr soll das Volumen zwischen 720 und 800 Mio. Euro liegen. Das Ankaufvolumen ist dabei der Betrag, den Cash Life für die Policen bezahlt.

Das kostet das Unternehmen zunächst einmal Geld, bevor es die Policen an Emissionshäuser weiterverkauft, die geschlossene Fonds zur Endfinanzierung auflegen. Der vermehrte Ankauf von Policen schlägt sich im Ergebnis nieder. Vermittlerprovisionen für die Vermittlung und Werbekosten haben dem Unternehmen im ersten Quartal 2007 einen Nettoverlust eingebracht. Nach Angaben Kleine-Depenbrocks liegt er im niedrigen einstelligen Millionenbereich und verschwindet wieder, wenn die Policen weiterverkauft sind.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) für das volle Jahr 2006 sank von 14,6 Mio. Euro auf 13,3 Mio.Euro, wie Cash Life mitteilte. Ein Grund dafür sei, dass das Unternehmen seit Mitte vergangenen Jahres auch in Österreich aktiv ist. Der Überschuss stieg um 19,1 Prozent auf 6,9 Mio. Euro.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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