Künstliche DNA entlarvt Fälscher

Wie Spezialfirmen den Herstellern helfen, ihre Produkte vor Plagiaten zu schützen

Von Patrick Hagen Bekannte Medikamente oder Potenzmittel zum Dumpingpreis – solche Angebote landen fast täglich in Spamfilter eines jeden E-Mail-Postfachs. Obwohl ein Großteil solcher Mails ungelesen gelöscht wird, wächst der Markt für gefälschte Medikamente immer weiter. Das betrifft vor allem teure Potenzmittel wie Viagra oder Cialis. „Diese Mittel haben eine höhere Gewinnmarge als Drogen“, sagt Robin Kroha von der Sicherheitsberatung Control Risks aus Berlin. Er berät Unternehmen in Fällen von Produktfälschung.

Gefälschte Produkte stellen die Firmen vor wachsende Probleme. Nach Schätzungen der OECD umfasst das Geschäft mit Plagiaten etwa zwei Prozent des Welthandels – mit steigender Tendenz. Und im Zweifel müssen die Firmen beweisen, dass ein schädliches Produkt eine Fälschung war. Sonst sind sie Regressansprüchen ausgesetzt. Außerdem können schlechte Nachahmungen den Ruf eines Unternehmens erheblich beschädigen.

Die Hersteller investieren deshalb kräftig, um ihre Produkte vor Plagiaten zu schützen. Die technischen Möglichkeiten sind immens und reichen von künstlicher DNA über Hologramme bis zu eingebauten Funkchips.

Besonders hochwertige Medikamente werden heute schon fast so gut wie Geldscheine gegen Fälschung geschützt. Die Firma Schreiner Prosecure etwa schützt Aidspräparate mit künstlichem Erbgut. Die Sicherheitsexperten teilen dafür die Doppelhelix einer künstlichen DNA-Struktur in der Mitte. Eine Hälfte kann wie Farbe auf die Verpackung aufgedruckt werden. Die andere Hälfte befindet sich in einer Art Stift. Wenn dieser an die Verpackung gehalten wird, verbinden sich die DNA-Hälften wieder. Ein Leuchten ähnlich dem eines Glühwürmchens zeigt die Echtheit des Produkts an.

Diesen Test kann aber nur der Hersteller machen. Der Patient kann solche verdeckten Merkmale nicht selbst überprüfen. Deshalb werden die Verpackungen zusätzlich mit Siegeln geschützt, die sich nicht zerstörungsfrei ablösen lassen und beim Öffnen beschädigt werden.

Die besten Sicherheitsmerkmale versagen, wenn die Kunden nichts von ihrer Existenz wissen. „Die Kommunikation mit dem Kunden ist unglaublich wichtig“, sagt Heiko Eggers, kaufmännischer Leiter bei der Hologram Company Rako aus Witzhave bei Hamburg. Hologramme mit eingearbeitetem Code ermöglichen es dem Kunden, übers Internet oder mithilfe eines Callcenters die Echtheit des Produkts zu testen. „Die Überprüfung lässt sich mit einem Gewinnspiel verknüpfen“, sagt Eggers. Im besten Falle könne so auch die Kundenbindung verbessert werden. Fußballvereine wie Bayern München oder Schalke 04 setzen Rako-Hologramme als Fälschungsschutz etwa für Vereinstrikots ein.

Große Hoffnungen setzen die Anbieter von technischen Produktschutzlösungen in die RFID-Technik. Die Funkchips könnten in Zukunft die Echtheit von Produkten kontrollieren und verhindern, dass gefälschte Ersatzteile in ein Auto eingebaut werden. Nicht immer steht dabei die Sicherheit des Verbrauchers im Vordergrund. Bei Ersatzpatronen für Drucker nutzen Hersteller die Technik bereits, um zu verhindern, dass der Kunde günstigere Konkurrenzprodukte einsetzt. Die Schreiner Prosecure aus Oberschleißheim hat ein solches System bereits für den Druckerhersteller Océ entwickelt.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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