Vorstand kannte Risikopositionen

Gremium seit Januar über Handelsbestand informiert · Finanzaufsicht und Staatsanwaltschaft ermitteln

Von Nina Luttmer, Tim Bartz, Ute Göggelmann, Frankfurt, und Herbert Fromme, Köln Der WestLB-Vorstand hat bereits frühzeitig von den riskanten Geschäften einiger seiner Eigenhändler gewusst. Der Head of Risk Management, Frank Seyfert, hatte dem Vorstand am 16. Januar einen sogenannten Fortschrittsbericht vorgelegt, in dem die Risikopositionen aufgeschlüsselt waren. „Daraufhin gab es Vorgaben des Vorstandes an den Co-Head Global Markets Friedhelm Breuers, Positionen zu reduzieren“, sagte Seyfert der FTD. Zunächst hätten sich die Mitarbeiter auch daran gehalten, später aber wieder Positionen aufgebaut und Handelslimits überschritten.

Die WestLB hatte vergangene Woche zwei Mitarbeiter – den Executive Director im Aktienhandel, Markus Bolder, sowie seinen Chef Breuers – daraufhin entlassen. Vorgestern erstattete die WestLB dann Strafanzeige gegen die beiden Ex-Angestellten sowie gegen unbekannt, unter anderem wegen möglicher Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz.

Nach FTD-Informationen stehen die Händler im Verdacht, jahrelang die Schlusskurse der Vorzugsaktien von Metro, BMW und Volkswagen manipuliert zu haben. Damit hätten sie zumindest auf dem Papier hohe Gewinne im Eigenhandel der Bank erzielt sowie ihre Bonuszahlungen gesichert, sagen mit den Vorgängen vertraute Banker. In Finanzkreisen wird jedoch darüber gerätselt, ob – und wenn ja, warum – dies dem Risikomanagement der Bank so lange entgehen konnte.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erklärte gestern, dass sie die fraglichen Aktiengeschäfte untersuche. Sie gehe Hinweisen auf mögliche Kursmanipulationen nach, sagte eine Sprecherin: „Es ist nicht ganz einfach, die Marktmanipulation nachzuweisen.“ Laut der Aufsicht muss die Orderlage der betroffenen Aktien genau untersucht werden. Anhand der Kursentwicklung der Aktien allein könne keine Manipulation nachgewiesen werden. Die Orderlage – die Daten darüber, welche Marktteilnehmer wann wie viele Papiere ge- oder verkauft haben – liegt den Handelsüberwachungsstellen der Börsen vor.

Auch die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Wertpapierhandelsgesetz sowie wegen des Verdachts auf Untreue gegen die ehemaligen WestLB-Mitarbeiter sowie gegen Dritte.

Die WestLB kündigte gegenüber der FTD an, dass es noch in diesem Jahr eine Struktur- und Strategieüberprüfung im Eigenhandelsbereich der Bank geben werde. Allerdings stünde diese nicht in Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen die beiden Ex-Mitarbeiter, sondern sei ohnehin geplant gewesen.

Der Eigenhandel gehört zum Unternehmensbereich Corporates & Capital Markets, dessen Gesamtertrag 2007 nach Schätzungen der WestLB bei etwa 2,6 Mrd. Euro liegen soll. Der Eigenhandel mache davon fünf Prozent aus, absolut also etwa 130 Mio. Euro, wie ein WestLB-Sprecher sagte. Zu den Gewinnzielen wollte er sich nicht äußern.

Ende Februar hatte Vorstandsmitglied Werner Taiber den Eigenhandel von Robert Stein übernommen. Der WestLB-Sprecher sagte, die Umverteilung stehe nicht in Verbindung zu den bekannt gewordenen Problemen. Die Geschäftsbereiche Capital Markets und Corporate Banking seien Anfang 2007 zusammengelegt worden. Im Zuge dieser Veränderung seien die Zuständigkeiten zwischen Taiber und Stein neu verteilt worden.

Bild(er):

Passanten vor der Düsseldorfer Zentrale der WestLB. Seit der Kursmanipulationsverdacht gegen zwei Ex-Mitarbeiter bekannt wurde, ist die Landesbank im Visier der BaFin und der Staatsanwaltschaft – Caro/Oberhaeuser; AP/Meissner

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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