Allianz peilt Banklizenz in Indien an

Versicherungsvertreter sollen Produkte absetzen · Konzern plant Zukauf in Russland

Von Herbert Fromme, Köln Die Allianz hat nach Aussage von Vorstandsmitglied Werner Zedelius in Indien die Lizenz für eine Privatkundenbank beantragt. Zedelius, der im Konzern für Asien sowie Mittel- und Osteuropa zuständig ist, bestätigte gestern zudem, dass die Allianz den 2004 gegründeten russischen Versicherer Progress-Garant kaufen will. Verkäufer ist das Management. Progress-Garant würde vor allem vertrieblich gut zur Allianz-Tochter Rosno passen. Einzelheiten nannte er nicht.

In Indien soll die neue Bank unter der Marke Allianz arbeiten. Die indischen Behörden dagegen versuchen, den Konzern zur Gründung einer Tochter der Dresdner Bank mit deren Namen zu bringen. Die Dresdner hat in Indien bisher eine kleine Repräsentanz für Firmenkunden. „Wir sind im Gespräch“, sagte Zedelius. „Und wir würden gern noch 2007 loslegen.“

Hauptvertriebsweg sollen die Versicherungsvertreter der indischen Konzerngesellschaft sein. „Wir haben 200 000 Vertreter in Indien. Ich gehe nicht davon aus, dass alle Bankprodukte verkaufen. Aber wenn es nachher 10 000 wären, könnte man damit einer neuen Bank starke Unterstützung geben.“ Vorbild für das Vorgehen in Indien ist Ungarn. Dort habe die Marke Allianz Zugkraft, sagte Zedelius. „Wir haben 2006 eine Bank mit dem Fokus auf Assurbanking gegründet.“ Das Institut habe eine große Filiale in Budapest, ansonsten parallele Strukturen zu den Allianz-Versicherern. Unter Assurbanking versteht die Allianz den Vertrieb von Sparverträgen, Fonds, Konten und Kreditkarten durch Versicherungsvertreter. „Wir haben sehr gute Erfahrungen bei der Dresdner Bank gemacht“, sagte Zedelius. Die neue Bank in Indien soll zu 100 Prozent der Allianz gehören. „Bei Bank-Neugründungen geht das“, sagte Zedelius. Die Versicherer des Konzerns sind dagegen Gemeinschaftsunternehmen mit dem Fahrzeughersteller Bajaj. Die Allianz hält den Höchstanteil von 26 Prozent, Bajaj 74 Prozent. Wenn die Regierung in Neu-Delhi, wie geplant, die Höchstgrenze auf 50 Prozent verändert, wollen beide Seiten das anpassen.

Die Allianz-Gesellschaften in Indien erzielten 2006 Bruttoprämien von 1,03 Mrd. Euro. Damit ist dieser Markt der viertgrößte der Allianz in der Asien-Pazifik-Region, wo sie insgesamt 6,95 Mrd. Euro erzielte. In Südkorea waren es 2,05 Mrd. Euro, auch in Australien und Taiwan ist die Allianz größer. In China wächst die Gruppe stark, kann mit 134 Mio. Euro Prämie aber erst geringes Volumen aufweisen.

Die rasche Entwicklung der Märkte zeigt sich auch in den Kündigungszahlen. Von den Lebensversicherungskunden kündigen rund 20 Prozent pro Jahr, in Deutschland sind es weniger als sechs Prozent. Von den Vertretern in Indien, China und anderen Märkten verlassen jedes Jahr mehr als 50 Prozent die Allianz.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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