Converium ergibt sich Scor

Schweizer Rückversicherer empfiehlt Aktionären Angebot des Rivalen · Vorstandschefin Inga Beale geht

Von Herbert Fromme, Köln Der Schweizer Rückversicherer Converium hat den Widerstand gegen die Übernahme durch den Pariser Rivalen Scor aufgegeben. Nach Verhandlungen, die am Wochenende begannen und erst Dienstagnacht um drei Uhr endeten, einigten sich der Converium-Verwaltungsratsvorsitzende Markus Dennler und Vorstandschefin Inga Beale mit Scor-Chef Denis Kessler – sieben Stunden vor Beginn der Converium-Hauptversammlung.

Kessler stimmte einem höheren Angebot zu. Neben einer halben Scor-Aktie pro Converium-Papier erhalten Aktionäre jetzt 5,50 Schweizer Franken in bar. Vorher hatte Kessler nur 4 Franken geboten. Außerdem wird die Converium-Dividende von 0,20 Franken nicht vom Kaufpreis abgezogen. Im Gegenteil: Aktionäre erhalten sogar schon 0,66 Franken Scor-Dividende. Mit dem neuen Angebot bewertet Scor Converium mit stolzen 3,4 Mrd. Franken. Pro Aktie zahlt Scor 23,20 Franken, vorher wären es rund 21,40 Franken gewesen. In Reaktion auf das Verhandlungsergebnis stieg die Converium-Aktie am Donnerstag um 1,1 Prozent auf 22,50 Franken, Scor fiel dagegen um 1,4 Prozent auf 20,90 Euro.

„Wir können jetzt einen der fünf größten Rückversicherer der Welt schaffen“, sagte Kessler. Zusammengenommen lagen die beiden Gesellschaften 2005 noch auf Rang sieben. Die Einigung beendet einen drei Monate währenden Kampf. Scor hatte im Februar mitgeteilt, dass man 33 Prozent an Converium gekauft habe, darunter 19,8 Prozent vom Schweizer Investor Martin Ebner. Die Converium-Führung hatte das dann folgende Angebot bis gestern stets zurückgewiesen.

Rückversicherer bieten Erstversicherern wie Axa oder Zürich, die mit Endkunden Geschäfte machen, Schutz gegen Großschäden an. Die Branche musste von 2001 bis 2004 schwere Schläge wegen eigener Dumpingpreise und der Kapitalmarktkrise hinnehmen. Converium und Scor gehörten zu den besonders gebeutelten Gesellschaften. Bei der Sanierung ist Scor deutlich weiter. Die aktuelle Konsolidierungswelle erhielt 2005 einen ersten Schub, als Swiss Re von General Electric die GE Insurance Solutions übernahm und dadurch die Münchener Rück als Weltmarktführer ablöste.

„Ich bin davon überzeugt, dass unsere Aktionäre jetzt einen adäquaten Gegenwert erhalten“, sagte Beale auf der Hauptversammlung. Die seit Februar 2006 amtierende Converium-Chefin wird die Firma spätestens Ende 2007 verlassen. Scor will Zürich als dritten europäischen Standort neben Paris und Köln erhalten. Den Mitarbeitern gab Scor-Chef Kessler eine Arbeitsplatzgarantie für zwölf Monate.

Auf der teilweise turbulent verlaufenden Hauptversammlung äußerten Anteilseigner heftige Kritik an dem Deal. Die Spaltung im Aktionärslager zeigte sich vor allem an der Abstimmung über einen Aktiensplit, der zur Rückzahlung von rund 300 Mio. $ an die Aktionäre geführt hätte. Der Vorstand hatte den Schritt als Verteidigungsmaßnahme beantragt, sprach sich aber nach der Einigung mit Scor dagegen aus. Der Antrag wurde knapp mit 55 Prozent zu 45 Prozent abgelehnt. „Wir wären lieber selbstständig geblieben“, sagte Verwaltungsratschef Dennler. Doch am Ende habe man sich der Tatsache beugen müssen, dass der französische Rivale bereits ein Drittel der Stimmen hält.

Bild(er):

Nach langem Kampf hat Converium die weiße Fahne gehisst. DieFranzosen dürfen übernehmen

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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