Debeka hofft auf Eingreifen der EU-Kommission

Krankenversicherer kritisiert AOK-Vorstoß in Privatmarkt

Von Ilse Schlingensiepen, Koblenz Die privaten Krankenversicherer (PKV) erwarten, dass die EU den gesetzlichen Krankenkassen das Vordringen auf den Markt der Zusatzversicherungen untersagt. „Ich bin sicher, dass die Europäische Kommission ein Kartellverfahren gegen die Bundesrepublik anstrengen wird“, sagte Roland Weber, Vorstand des PKV-Marktführers Debeka. Es sei nicht akzeptabel, dass öffentlich-rechtliche Anbieter, die gegenüber den privaten Wettbewerbern ohnehin von Vorteilen wie dem Steuerprivileg profitierten, in einen funktionierenden privaten Markt eingreifen.

Das Landesversicherungsamt Nordrhein-Westfalen hat der AOK Rheinland/Hamburg neue Tarife genehmigt, die klassischen PKV-Zusatzversicherungen entsprechen. Die Continentale Krankenversicherung wird dagegen klagen.

Die Gesundheitspolitik gehört zu den wenigen Dingen, die dem Versicherungsverein Debeka schwer im Magen liegen. Sonst läuft es gut. In allen Sparten hat die Debeka im vergangenen Jahr erneut besser abgeschnitten als der Markt. Auch für 2007 ist Vorstandschef Uwe Laue optimistisch. Er erwartet ein Wachstum der Beitragseinnahmen von 3,0 bis 3,5 Prozent in der Krankenversicherung, von 4,0 Prozent in der Lebens- und von 6,0 Prozent in der Schaden/Unfallversicherung.

2006 legte der Versicherer bei einer wichtigen Maßgröße, der Zahl der Vollversicherten, um 42 600 auf 2,0 Millionen zu. „Die Debeka konnte mehr als 40 Prozent des gesamten Branchenzuwachses an vollversicherten Personen für sich verbuchen“ , sagte Laue. Obwohl die Gesundheitsreform das Geschäft erschwert, will er das Wachstumstempo 2007 beibehalten. „Ich bin zuversichtlich, dass wir beim Zugang ungefähr das Vorjahresergebnis hinbekommen werden.“

Die Prämieneinnahmen der Debeka stiegen 2006 um 8,8 Prozent auf 7,3 Mrd. Euro, verglichen mit einem Marktwachstum von 2,3 Prozent. Die Krankenversicherung legte um 8,0 Prozent auf 4,0 Mrd. Euro zu. Dabei kamen drei Viertel aus Beitragsanpassungen, nur ein Viertel aus dem Neugeschäft. Der Gewinn, der für die Stärkung der Kapitalbasis verwendet wird, betrug unverändert 30 Mio. Euro.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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