HUK hält Autokrieg für beendet

Versicherungsgruppe sieht Preiskampf gestoppt · Gewinn bricht 2006 um 32 Prozent ein

Von Herbert Fromme, München Die Versicherungsgruppe HUK-Coburg sieht ein Ende des seit 2004 dauernden intensiven Kampfes um Marktanteile in der Autoversicherung. „Aus unserer Sicht ist der Preiskrieg vorbei“, sagte Vorstandschef Rolf-Peter Hoenen vor Journalisten. „Es gibt auch Signale aus anderen großen Häusern, dass man den Preiskrieg beenden sollte.“ Zum 1. April 2007 hat die HUK-Coburg – ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, der keine Aktionäre hat – die Preise um knapp fünf Prozent erhöht.

Die Gruppe ist in der Kfz-Versicherung Marktzweiter nach der Allianz. 2006 verlor sie leicht an Volumen, konnte aber zum Jahreswechsel 2007 mit einem neuen Tarif den Bestand um 220 000 Fahrzeuge ausbauen; sie versichert jetzt 7,7 Millionen. Die Hälfte des Zuwachses erzielte die Internet-Tochter HUK 24, die 650 000 Fahrzeuge versichert.

Die HUK-Coburg liegt damit immer noch deutlich hinter der Allianz. Aber der Marktführer legte zum Jahreswechsel nur um 30 000 Fahrzeuge auf 8,9 Millionen zu. Im Markt sind 54,6 Millionen Fahrzeuge. Im Privatkundengeschäft, also ohne Industrie- und Gewerbeflotten, sei man Marktführer, sagte Hoenen. „Aber die Marktführerschaft ist gar nicht unser Ziel.“

HUK-Coburg und andere günstiger anbietende Versicherer nehmen der Allianz und weiteren Traditionsversicherern seit Jahren Marktanteile ab. Ende 2004 begann die Allianz, sich mit hohen Preissenkungen und Rabatten gegen die konstante Erosion zu wehren. Zumindest aufhalten konnte die Allianz den Trend. Weil auch die Schadenbelastung weiter günstig für die Branche verläuft, verdienten die meisten Versicherer 2006 trotz massiver Preisreduzierungen in der Kernsparte Auto weiterhin gut.

Die HUK-Coburg legte sich in den vergangenen Jahren nicht nur mit der Konkurrenz an. Beim Tarif Kasko Select, der 15 Prozent billiger ist, verpflichten sich Kunden, im Schadenfall eine der 1200 Vertragswerkstätten des Versicherers aufzusuchen. Das alarmiert die Autohersteller, die das Geschäft der Vertragswerkstätten in Gefahr sehen. Sie versuchen vermehrt, ihrerseits Autoversicherungen anzubieten – in Partnerschaft mit einem Versicherer, der sich bereit erklärt, durch besondere Bedingungen die Treue des Kunden zur Vertragswerkstatt zu erhöhen. VW versichert inzwischen jeden dritten Neuwagen unter einem Kooperationsvertrag mit der Allianz, das Volumen beläuft sich auf eine Million Fahrzeuge.

Laut Hoenen hat die Gruppe nichts gegen eine Kooperation mit Autoherstellern. „Wenn die wollten, könnten wir reden.“ Selbst eine Bindung an die Hersteller-Werkstätten sei möglich, „wenn der Preis stimmt“. Allerdings bezweifle er, dass man damit sehr erfolgreich sein könne. Zur Zeit gebe es keine Gespräche mit Herstellern.

Hoenen attackierte die Axa Deutschland heftig. Sie verkauft für zehn Prozent Aufschlag eine sogenannte Allgefahrendeckung, die auch bisher unversicherte Schäden wie das Aufspringen der Motorhaube während der Fahrt abdeckt. Das sei „weit überteuert“, sagte er. Der Anteil der Schadenfälle, den die neue Deckung absichere, komme wohl kaum über den Promillebereich hinaus, auf keinen Fall handele es sich um zehn Prozent. „Es ist erstaunlich, auf welch findige Ideen die Branche kommt, um dem Verbraucher das Geld aus der Tasche zu ziehen.“ Offenbar brauche die Axa das Geld, das sie über ihre normalen Tarife nicht mehr bekomme.

Die HUK-Coburg erzielte 2006 einen Gewinn nach Steuern von 408 Mio. Euro, ein Minus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hoenen sagte, 2005 sei durch Sondergewinne aus Aktien geprägt gewesen, er sei hochzufrieden mit dem Ergebnis 2006. Es werde im laufenden Jahr möglicherweise etwas geringer ausfallen, auch wegen des Sturms „Kyrill“, der die Gruppe 50 Mio. Euro auf eigene Rechnung kostete.

Die Beitragseinnahmen blieben mit 4,73 Mrd. Euro stabil, während die Branche ein Plus von 2,3 Prozent verzeichnete. Hoenen erklärte das mit dem hohen Anteil der Autoversicherung. Die HUK-Coburg beziehe die Hälfte ihrer Einnahmen aus der Sparte, der Markt nur 13 Prozent.

Bild(er):

Ist mit dem Geschäft zufrieden: Rolf-Peter Hoenen, Chef der HUK-Coburg, gestern bei der Bilanzpräsentation in München – dpa/Frank Leonhardt

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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